Hamburg04.06.2018

Hamburg: Sprachmittlerpool für Menschen mit Behinderung – Eine Chance auf gegenseitiges Verstehen

Hamburg - Heute startet der Hamburger Sprachmittlerpool für die ambulante Gesundheitsversorgung und Beratung von Menschen mit Behinderung. Das Modellprojekt wurde vom Verein „SEGEMI Seelische Gesundheit – Migration und Flucht“ in Kooperation mit der Lebenshilfe Hamburg und der Ärztekammer Hamburg konzipiert und läuft zunächst für ein Jahr. Gestern stellte SEGEMI das Projekt den Hamburger Ärztinnen und Ärzten sowie Beraterinnen und Beratern aus den Fachstellen vor. Das Interesse war groß. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur Veranstaltung, Es wurde schnell klar: Verständigungsprobleme beim Arzt und in der Beratung erschweren die Versorgung zum Teil erheblich. Gerade für Menschen mit Behinderung sind die Barrieren hoch.

Axel Graßmann, Geschäftsführer Landesverband Lebenshilfe, zeiget sich erfreut: „Wir sind positiv überrascht, auf welches Echo die Veranstaltung stößt. Es zeigt, dass der Bedarf an qualifizierten Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen groß ist.“

Silke Koppermann, Vorsitzende des Ausschuss Grundrechte der Ärztekammer Hamburg, warb vor allem bei den ärztlichen KollegInnen für die Arbeit zu Dritt: „Durch den Einsatz professioneller Sprachmittler werden Familienmitglieder, die in der alltäglichen Praxis oft als Sprachmittler herhalten müssen, entlastet. Mit qualifizierten Sprachmittlern sind Gespräche deutlich effektiver durchführbar.“

Stellvertretend für die Berufsgruppe der Sprachmittlerinnen und Sprachmittler erläuterte Frau Meerim Beisheeva, Sprach- und Kulturmittlerin, ihre Arbeit: „Wir ermöglichen eine sprachliche und kulturelle Brücke, damit Patientinnen und Patienten eine Chance bekommen, überhaupt behandelt zu werden.“

Anschließend übernahm Theresa Quast, Koordinatorin des Projekts, das Wort. Sie erläuterte das Antragsverfahren und die notwendigen Formalitäten. „Wir haben aktuell in unserem Pool Sprachmittlerinnen und Sprachmittler für28 Sprachen und bauen diesen sukzessive weiter aus. Die SprachmittlerInenn unterstützen wir in ihrer zum Teil recht schweren Arbeit durch Fortbildungen und regelmäßige Supervision “ erklärt sie. Das Antragsverfahren ist unkompliziert, Formulare können auf der Homepage von SEGEMI heruntergeladen werden.“
Dr. Mike Mösko, Vorsitzender SEGEMI Seelische Gesundheit – Migration und Flucht e.V. und Psychologischer Psychotherapeut, unterstrich, dass das Projekt zunächst nur für einen begrenzten Zeitraum von einem Jahr genehmigt wurde. „Das Modellprojekt ist ein wichtiges Signal für die Versorgung von geflüchteten und migrierten Menschen. Jetzt müssen wir sehen, ob und wie die qualifizierte Sprachmittlung von den Akteuren angenommen wird. Sollten wir mit dem Modell die Regelversorgung stärken können, setzten wir uns mit Nachdruck dafür ein, dass es eine Regelfinanzierung für Sprachmittlung für Menschen mit Behinderungen gibt.“

Zum Hamburger Sprachmittlerpool für die ambulante Versorgung von Menschen mit Behinderung: Mit dem 1.6.2018 können sowohl MitarbeiterInnen in der ambulanten Beratung (von Flüchtlingen oder Menschen mit Behinderungen) als auch ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte beim Psychosozialen Beratungs- und Koordinationszentrum SEGEMI eine Sprachmittlerin / einen Sprachmittler für eine ambulante Beratung bzw. ambulante Gesundheitsversorgung mit nicht Deutsch sprechenden Patientinnen und Patienten beantragen. Das Modellprojekt wird gefördert durch die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des „Hamburger Integrationsfonds“. Aus diesen Mitteln werden auch Fortbildungen und Supervisionen für die SprachmittlerInnen finanziert. Insgesamt 90.000 € stehen dafür bis zum Februar 2019 zur Verfügung. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.segemi.org.

www.aekhh.de