Hamburg04.07.2019

Hamburg: Sprechen Sie Wolof?

Hamburg - Der SEGEMI Sprachmittlerpool für Menschen mit Behinderung feiert den 1.000. Antrag! Das sind 1.000  Sprachmittlereinsätze zur erfolgreichen Integration von Menschen mit Behinderung und Fluchterfahrung in die Hamburger  Regelversorgung.

Das 2018 verabschiedete Behindertengleichstellungsgesetz verfolgt das Ziel, die Benachteiligung von Menschen mit  Behinderungen zu beseitigen und Ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Wie aber  kann man als betroffene Person fachgerechte Beratung oder medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es keine Fachpersonal gibt, das beispielsweise Wolof spricht und so geflüchteten Menschen aus Senegal helfen kann?

Hamburg hat als erstes Bundesland für dieses Problem eine Lösung gefunden.

Im Juni 2018 startete das bundesweit erste Modellprojekt „Hamburger Sprachmittlerpool für Menschen mit Behinderung“ und  bietet mittlerweile qualifizierte Sprachmittlung in 42 Sprachen an. Das Modellprojekt wird so gut angenommen, dass nach einem  Jahr bereits 1.000 Sprachmittlereinsätze vermittelt werden konnten.

Neben den 5.000 ambulant tätigen Ärzt*innen können Beratungsstellen für Menschen mit Behinderungen sowie Kindergärten und Schulen kostenlos auf qualifizierte Sprachmittler*innen zurückgreifen. Auf diese Weise erhalten Geflüchtete mit  Behinderungen einen Zugang zur Regelversorgung.

Gefördert wird das Projekt von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) der Freien und Hansestadt  Hamburg. Koordiniert wird der Sprachmittlerpool vom gemeinnützigen Verein „SEGEMI Seelische Gesundheit • Migration und Flucht“ in Kooperation mit der Lebenshilfe Hamburg und der Ärztekammer Hamburg.

Axel Graßmann, Geschäftsführer Landesverband Lebenshilfe Hamburg: „Mit einer solchen Nachfrage hatten wir nicht gerechnet. Es wird deutlich, dass es einen unglaublichen Bedarf an qualifizierter Sprachmittlung für Menschen mit  Behinderungen gibt. Ich bin froh, dass Hamburg eine sehr gute und professionelle strukturelle Lösung geschaffen hat, um die Teilhabechancen deutlich zu erhöhen“.

Dr. Pedram Emami, MBA, Präsident der Ärztekammer Hamburg: „Es freut mich sehr, dass sich der qualifizierte  Sprachmittlerpool mittlerweile in vielen Hamburger Praxen zu einem fest etablierten Modell entwickelt hat. Sprachmittlung ist Voraussetzung für ein Gelingen der Kommunikation mit fremdsprachigen Patient*innen. Ärzt*innen können durch die professionelle Unterstützung Aufklärung, Mitsprache auf Augenhöhe und dadurch eine bessere Adhärenz sicherstellen.  Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!“

Karolina Lipiec Schnese, Koordinatorin des Sprachmittlerpools für Menschen mit Behinderungen bei SEGEMI e.V.: „Toll, dass der Sprachmittlerpool so gut angenommen wird. Ich denke, das liegt vor allem an den vielen kompetenten Sprachmittler*innen, die wir für diese Arbeit gewinnen konnten. Durch regelmäßige Fortbildung und Supervision unterstützen wir sie in ihrer Arbeit. Dass sich das Projekt so rasch entwickelt hat und so schnell wächst, übersteigt all unsere Erwartungen.“

Katrin Jakobi, Einrichtungsleitung, Erstaufnahme im AWO Haus Billetal: „Wie ich erfahren habe, haben wir den 1.000. Antrag gestellt. Das freut uns sehr. Wir nutzen regelmäßig den Sprachmittlerpool, um unseren Bewohner*innen eine sprachliche Verständigung bei Ärzt*innen und bei Beratungen außer Haus zu ermöglichen. Wir schätzen sehr die Professionalität und Qualität der Sprachmittler*innen. Mit ihrer Hilfe können unsere Bewohner*innen ihre Anliegen eigenständig vortragen.“

www.aerztekammer-hamburg.de