Hessen22.01.2019

Hessen: Geplantes Direktstudium „Psychotherapie“ gefährdet die Patientenversorgung

Landesärztekammer Hessen lehnt Referentenentwurf ab

Frankfurt - Ausdrücklich wendet sich die Landesärztekammer Hessen gegen die Übertragung ärztlicher  Tätigkeiten  an nicht-ärztliche Berufsgruppen. Aktueller Anlass ist der Referentenentwurf zur Neuregelung der Ausbildung zur nicht-ärztlichen Psychotherapie vom 3. Januar 2019, der ein Direktstudiumder Psychotherapie ermöglichen soll.

„Wir  lehnen  diesen  Referentenentwurf  ab,  da er die Patientenversorgung gefährdet“, erklärt Dr. med. Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen. „Auch  Patientinnen  und  Patienten,  die  an psychischen   Krankheiten  leiden,  haben  Anspruch  auf  eine ganzheitliche Behandlung nach Facharztstandard.“ Zwar sei unbestritten, dass psychologische Psychotherapeuten und Kinder-  und Jugendlichenpsychotherapeuten die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung   sinnvoll ergänzten. Ihre Ausbildung befähige sie jedoch nicht dazu, ärztliche Psychotherapeuten zu ersetzen,  deren  Kenntnisse  und Kompetenzen auf einem sechsjährigen, naturwissenschaftlich  fundierten Studium und einer fünfjährigen Weiterbildung basieren.

„Die   psychosomatische-psychotherapeutische Sichtweise ist zentraler Bestandteil ärztlichen Denkens und Handelns“, heißt  es in der Stellungnahme der Ärztekammer. Anstatt die Ausübung der Psychotherapie an nicht-ärztliche Therapeutinnen   und Therapeuten ‚auszulagern‘, müssten Ärztinnen und Ärzten ausreichend Zeit zur Verfügung haben, um ihre Patienten nach Facharztstandard  umfassend  betreuen zu können. Angesichts des zunehmenden Ärztemangels sei dafür eine umgehende  und  deutliche  Erhöhung  der Medizinstudienplätze erforderlich.  Auch müssten psychosomatische Aspekte umfassend in der Gebührenordnung berücksichtigt werden.

Sollte das Bundesgesundheitsministerium dennoch an dem geplanten Studiengang festhalten, fordert die Landesärztekammer Hessen eine grundlegende Überarbeitung des Referentenentwurfs. So lehnt die Kammer die Verordnung von Psychopharmaka  durch  Personen  ohne  Medizinstudium aufs Schärfste ab. Die sichere Verordnung von Psychopharmaka sei nur auf Grundlage eines Medizinstudiums möglich.

Die   Neuregelung müsse deutlich machen, dass der  Abschluss  des Direktstudiums nicht zur selbstständigen Ausübung der  Psychotherapie befähige. Dies dürfe erst nach erfolgreichem Abschluss der anschließenden Weiterbildung in einem wissenschaftlich  anerkannten Therapieverfahren erlaubt sein.  „Die  postgraduale Weiterbildung für psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten muss unbedingt erhalten bleiben“, betont  Pinkowski.  „Nur so kann verhindert werden, dass die Patientenversorgung in Hessen in zwei unterschiedliche Versorgungsbereiche zerfällt.

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