Hessen29.03.2019

Hessische Ärztekammer erhofft Freispruch für türkische Ärztin Şebnem Korur Fincancı

Delegiertenversammlung fordert Deutschen Ärztetag in Münster auf, sich mit politischer Verfolgung von Ärztinnen und Ärzten befassen

Bad Nauheim - Die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen hat am 23.  März  2019  in  Bad  Nauheim die Hoffnung auf Freispruch der türkischen Ärztin  Prof.  Dr.  Şebnem  Korur Fincancı ausgedrückt. Fincancı ist in der Türkei  wegen  des  Vorwurfs der „Terrorpropaganda“ zu einer Haftstrafe von zwei   Jahren   und  sechs  Monaten  verurteilt   worden.  Hintergrund:  Die Menschenrechtlerin  hatte  2016  als eine von über 1000 Akademikerinnen und Akademikern  die   Friedenspetition  „We  will not be a party to this crime“ unterzeichnet.

Für ihren Einsatz für die Aufarbeitung von Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hatte Prof. Fincancı, Vorsitzende der   türkischen  Menschenrechtsstiftung,  noch  vor  wenigen  Monaten  den Hessischen Friedenspreis in  Wiesbaden erhalten. Fincancı ist Mitverfasserin des   so   genannten   „Istanbul   Protokolls“,   das  als  internationales Standardwerk  der Vereinten Nationen zur Untersuchung und Dokumentation von Folter  weltweit  bekannt  ist. In Wiesbaden  war die Preisträgerin auch von einem  Vertreter  der  Landesärztekammer  Hessen  für  ihre  Arbeit und ihr Engagement beglückwünscht worden.

Vor  wenigen  Jahren  hatte  sich  die  Ärztin  an  einer  Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen durch das türkische  Militär 2015 bis 2016 in der kurdischen  Stadt   Cizîr  beteiligt.  Unter  ihrer  Leitung verfasste eine Ärztedelegation  darüber  einen Bericht. Das Präsidium der Landesärztekammer Hessen  hat  sich  betroffen  über das harte Urteil gegen eine korrekte  und unbestechliche  Kollegin geäußert. Noch ist das Urteil gegen Fincancı nicht rechtskräftig.  Ein Freispruch durch ein  Berufungsgericht wäre „ein Zeichen für   eine  Unabhängigkeit  der  Richter  in  der  Türkei“,  erklärten  die Delegierten.  Der Deutsche Ärztetag in Münster wurde aufgefordert, sich mit der politischen Verfolgung von Ärztinnen und Ärzten zu befassen.

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