Niedersachsen27.09.2018

Niedersachsen: 200 weitere Medizinstudienplätze jetzt sofort

Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen fordert Politik und Universitäten zum Handeln auf / „Absurde Bildungspolitik rasch korrigieren“

Hannover - „Es müssen unverzüglich weitere Medizinstudienplätze geschaffen werden, um dem sich stetig verschärfendem Ärztemangel entgegenzuwirken“, erklärt die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN). Einstimmig haben sich die 60 Delegierten aus ganz Niedersachsen in einer Resolution dafür ausgesprochen, dass die drei Medizinischen Fakultäten mit finanzieller Unterstützung der Landesregierung in Niedersachsen umgehend 200 weitere Medizinstudienplätze schaffen.

„Nur durch eine deutliche Erhöhung der verfügbaren Medizinstudienplätze wird es möglich sein, dem Ärztemangel nachhaltig zu begegnen“, bekräftigt auch Kammerpräsidentin Dr. med. Martina Wenker. Des Weiteren müsse es Anreize für die Absolventinnen und Absolventen geben, sich auch im ländlichen Raum Niedersachsens niederzulassen. „Hier spielt die Familienfreundlichkeit eine große Rolle“, unterstreichen die Delegierten.

Resolution der Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen

Die Delegierten der Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen fordern die Landesregierung und die Medizinischen Fakultäten in Niedersachsen dazu auf, unverzüglich weitere Medizinstudienplätze zu schaffen. Nur so kann dem sich stetig verschärfendem Ärztemangel in Niedersachsen nachhaltig entgegengewirkt werden. Zusätzlich zu den geplanten Studienplätzen am Campus Braunschweig der UMG müssen die drei Medizinischen Fakultäten mit finanzieller Unterstützung der Landesregierung in Niedersachsen umgehend 200 weitere Medizinstudienplätze schaffen, damit die zahlreichen qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber auch die Chance bekommen, ihr Medizinstudium zu absolvieren. Des Weiteren muss es Anreize für die Absolventinnen und Absolventen geben, sich auch im ländlichen Raum Niedersachsens niederzulassen. Hier spielt die Familienfreundlichkeit eine große Rolle.

Die derzeitige Ausbildungspolitik führt dazu, dass Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um eine Mangelsituation auszugleichen, während gleichzeitig deutsche Abiturienten ins Ausland gehen müssen, damit sie die Chance auf einen Medizinstudienplatz bekommen. Diese absurde Bildungspolitik gilt es jetzt rasch zu korrigieren!

Begründung:

Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren jeweils weniger als 600 Ärztinnen und Ärzte ausgebildet – sogar mit fallender Tendenz: So registrierte die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) für das Jahr 2016 genau 247 Absolventen im Fach Humanmedizin, vier Jahre zuvor (2012) waren es noch 300. Der Alumni Verein (e.V.) der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) meldete für das Jahr 2016 exakt 272 Examenskandidaten – 298 waren es noch im Jahr 2012.

Auf der anderen Seite des Berufslebens steigt allerdings die Anzahl der Ärzte, die der Versorgung aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stehen, in den nächsten Jahren kontinuierlich an. Die Mitgliederstatistik der Ärztekammer Niedersachsen zeigt auf, dass in den kommenden zwei Jahrzehnten bis zu 1.000 Ärztinnen und Ärzte jährlich in den Ruhestand wechseln werden. Denn es sind die mitgliederstärksten Jahrgänge der Babyboomer-Generation, die in naher Zukunft die Regelaltersgrenze erreichen.

Bereits heute gibt der Ärztemangel Anlass zu großer Sorge: Die für die Versorgungssicherung zuständige Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) meldet 408,5 unbesetzte Arztsitze (Stand: 12. September 2018), davon allein 365 unbesetzte Hausarzt-Sitze und 43,5 unbesetzte Facharzt-Sitze. Um der drohenden Unterversorgung zu entgegnen, muss Niedersachsen erheblich mehr Ärztinnen und Ärzte ausbilden! Auch in den niedersächsischen Krankenhäusern können sehr viele Arztstellen nicht rechtzeitig nachbesetzt werden.

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