Niedersachsen21.07.2020

Niedersachsen: "Eine Pandemie ist keine Massenkarambolage – man kann sich darauf vorbereiten"

Hannover - Den von den Corona-Maßnahmen betroffenen und eingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern will die neu gegründete Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) Gehör verschaffen. Das elfköpfige Gremium wird vertreten durch Ärztekammer-Präsidentin Dr. med. Martina Wenker, den Direktor der Akademie Loccum Dr. theol. Stephan Schaede und Professor Dr. theol. Jürgen Manemann, Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie (fiph) in Hannover.

Die erste akute Phase der COVID-19-Pandemie ist hierzulande überstanden. Aber ihr Effekt auf das gesellschaftliche Zusammenleben ist – auch im Hinblick auf eine zweite Welle – nicht abzusehen. Um Menschen, die von den Pandemie-Maßnahmen besonders betroffen sind, ein Sprachrohr zu verleihen, haben Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, und die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. med. Thela Wernstedt gemeinsam mit Landesbischof Ralf Meister und dem Osnabrücker Bischof Dr. theol. Franz-Josef Bode die Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) ins Leben gerufen. Dem elfköpfigen Gremium gehören neben Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mit ausgewiesener ethischer Expertise Repräsentanten der kirchlichen Wohlfahrtsverbände an.

"Schon jetzt haben Kinder und Jugendliche, die weder Schulen noch Kindergärten besuchen durften, schwierigere Startbedingungen", kündigt Wenker jetzt das erste INE-Papier zur Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen an und prophezeit, dass diese Generation an der Last und den Folgen der Pandemie wohl noch Jahrzehnte leiden wird. Deshalb ist es das Ziel von INE, den gesellschaftlichen Blick zu schärfen, damit im Falle künftig abermals notwendiger Schutzmaßnahmen differenzierter agiert werden kann. "Eine Pandemie ist keine Massenkarambolage", betont Wernstedt, "man kann sich darauf vorbereiten."

Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen, gehört zu den Kernforderungen der Ethikrat-Initiative. "Wenn eine zweite Welle kommt, müssen wir verhindern, dass erneut per Verordnung über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird", fordert Dr. theol. Stephan Schaede, Direktor der Akademie Loccum.

Auf die soziale Dimension der Corona-Pandemie macht zudem Professor Dr. theol. Jürgen Manemann, Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie (fiph) in Hannover, aufmerksam: "Wir müssen einen Blick für die verschiedenen Verwundbarkeiten entwickeln", so Manemann.

Um aber zu verhindern, dass nur Experten reden, sollen ab September die Betroffenen selbst in öffentlichen Anhörungen zu Wort kommen. Denn es gilt, die Lebens- Entwicklungs- und Bildungschancen von jungen Menschen deutlich zu verbessern – so eine der Kernforderungen des INE-Papiers.

Das Thesenpapier der Initiative zum Download als PDF-Anhang.

Die Mitglieder der Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE)
Gründungsmitglieder

  • Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin Ärztekammer Niedersachsen
  • Dr. med. Thela Wernstedt, Landtagsabgeordnete und stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin derSPD-Landtagsfraktion
  • Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (nun beratendes Mitglied)
  • Dr. theol. Franz-Josef Bode, Bischof des Katholischen Bistums Osnabrück (nun beratendes Mitglied)

Neue Mitglieder

  • Dr. theol. Stephan Schaede, Direktor der Evangelischen Akademie Loccum (Vertretung von Bischof Meister)
  • Dr. theol. Martin Splett, Referent beim Bistum Osnabrück (Vertretung von Bischof Bode)
  • Professor Dr. theol. Jürgen Manemann, Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover
  • Professor Dr. theol. Christian Polke, Lehrstuhl für Systematische Theologie / Ethik in Göttingen
  • Professorin Dr. iur. Eva Schumann, Lehrstuhl für Deutsche Rechtsgeschichte und Bürgerliches Recht an der Universität Göttingen
  • Professorin Dr. med. Claudia Wiesemann, Direktorin der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen
  • Torsten Windels, Ökonom mit Sitz in Hannover

Vertreter der kirchlichen Wohlfahrtsverbände

  • Thomas Uhlen, Landessekretär der Caritas in Niedersachsen
  • Dr. theol. Christoph Künkel, ehemaliger Vorstandssprecher des Diakonischen Werks evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

www.aekn.de