Rheinland-Pfalz11.06.2021

Rheinland-Pfalz: Arztzahlstatistik zeigt: Fast jede/r vierte berufstätige Ärztin/Arzt ist 60 Jahre und älter

Mainz - Jeder zweite berufstätige Arzt/Ärztin in Rheinland-Pfalz ist 50 Jahre und älter. Dies geht aus der Ärztestatistik (Stichtag  31.12.2020)  hervor, welche die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz jetzt ausgewertet hat. Hinzu kommt, dass fast jeder vierte berufstätige Arzt 60 Jahre und älter ist.

Das zeigt erneut sehr deutlich, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte immer näher an die Phase ihres Ruhestandes heranrücken, aber immer weniger junge in Deutschland aus- und weitergebildete Ärztinnen und Ärzte nachrücken“, fasst Landesärztekammer-Präsident Dr. Günther Matheis die demografische Entwicklung innerhalb der Ärzteschaft zusammen: „Die Zahlen sprechen eine  eindeutige Sprache. Und zwar nicht nur im hausärztlichen Bereich, sondern auch in der fachärztlichen Grundversorgung.“ Der Blick auf die demografische Entwicklung im fachärztlichen Bereich kommt aber leider immer noch zu kurz. Matheis: „Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um eine flächendeckende Versorgung aufrechtzuhalten.

Insgesamt ist die Zahl der registrierten Ärzt*innen im Vergleich zum Vorjahr zwar um 1,9 Prozent gestiegen. Doch mehr Ärzte und Ärztinnen (statistisch gesehen) und zugleich Ärztemangel schließen sich nicht aus. Es ist vielmehr eine natürliche Folge gesellschaftlicher Veränderungen, so der Kammer-Präsident.

Der Bedarf an Ärzt*innen ist in den vergangenen Jahren gewachsen und wird auch weiter steigen. Das gilt sowohl für das Krankenhaus als für den ambulanten Bereich. Doch das Arbeitsvolumen pro Arzt oder Ärztin ist gesunken. Die Gründe hierfür: der erhöhte Anteil von Teilzeitstellen und der Trend zur Arbeitszeitverkürzung. Schätzungen zufolge werden inzwischen mindestens 1,6 Ärzt*innen benötigt, um eine/n ausscheidende/n Ärztin/Arzt zu ersetzen.

„Wir brauchen daher dringend mehr Köpfe im Versorgungssystem. Eine Erhöhung der Anzahl der Medizinstudienplätze ist deshalb sehr wichtig und unverzichtbar“, fordert Matheis.

Zur Statistik: Im Jahr 2020 sind insgesamt 22.601 Ärztinnen und Ärzte bei der Landesärztekammer registriert; von ihnen sind 19.019 berufstätig. Im ambulanten Bereich arbeiten laut Statistik 7.636 Ärztinnen und Ärzte. Im Krankenhaus sind es 9.007 Ärztinnen und Ärzte.

Ein Rückblick: Im Jahr 2000 waren 16.169 Ärzt*innen bei der Landesärztekammer gemeldet; 13.444 von ihnen waren damals berufstätig. Von ihnen arbeiteten 6.126 im ambulanten Bereich und 5.940 im Krankenhaus.

Die Arztzahl-Statistik der Landesärztekammer zeigt klar: Der Anteil der Jungen sinkt weiter. Im vergangenen Jahr gab es in der Altersgruppe 35 bis 39 Jahre landesweit 2.209 berufstätige Ärztinnen und Ärzte. Im Vergleich zum Jahr 2000 (35-39-jährige Berufstätige: 2.443) ist deren Anteil deutlich gesunken.

Schaut man in dieser Altersgruppe in den ambulanten Bereich, so fällt der Rückgang noch stärker aus: Im Jahr 2020 gab es bei den 35- bis 39-Jährigen 449 ambulant arbeitende Ärzt*innen; im Jahr 2000 waren es 811. Das ist fast die Hälfte weniger.

In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen sinkt der Anteil derer, die ambulant arbeiten, im selben Zeitraum ebenfalls stark: von 2.374 (Jahr 2000) auf 1.587 (Jahr 2020). Das bedeutet einen Rückgang von fast einem Drittel.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die zwischen 50 und 59 Jahre alt sind. Gab es im Jahr 2000 noch 1.990 ambulant tätige Ärzt*innen in dieser Altersgruppe, so waren es in 2020 schon 2.659 (ein gutes Drittel mehr). Der Anteil der 60- bis 65-Jährigen wuchs im selben Zeitraum von 528 auf 1.458. Und der Anteil derjenigen, die über 65 sind und im ambulanten Bereich arbeiten, stieg von 164 (Jahr 2000) auf 1.260 (Jahr 2020) und hat sich damit mehr als versiebenfacht. Matheis: „Diese Entwicklung ist mehr als bedenklich.“

Eine ähnliche Altersstruktur wie im ambulanten Bereich zeigt sich auch im Krankenhaus. Zwar stieg die Zahl der Klinikärztinnen und -ärzte, die bis 39 Jahre alt sind, seit dem Jahr 2000 von 3.361 auf jetzt 4.277. Doch auch in den Kliniken verzeichnet sich ein starker Anstieg der Ärzt*innen, die 50 Jahre und älter sind. Ihre Zahl stieg von 1.032 (im Jahr 2000) auf 2.820 (Jahr 2020) und hat sich somit mehr als verdoppelt.

Auffällig ist auch, dass die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die bei Behörden oder in anderen, sonstigen Bereichen arbeiten, gestiegen ist. Im Jahr 2020 gab es 998 Ärztinnen und Ärzte, die bei Behörden oder Körperschaften arbeiteten; vor 20 Jahren lag diese Zahl bei 713. In anderen sonstigen Bereichen waren im vergangenen Jahr weitere 1.378 Ärztinnen und Ärzte registriert; vor 20 Jahren waren hier 665 Ärztinnen und Ärzte gemeldet.

Laut Statistik sind zudem insgesamt 158 Ärztinnen und Ärzte gemeldet, die in Gesundheitsämtern arbeiten; die meisten von ihnen sind weiblich: 118. Der Großteil der Ärztinnen und Ärzte in den rheinland-pfälzischen Gesundheitsämtern ist laut Arztstatistik 50 bis 59 Jahre alt (insgesamt 60). Weitere 53 Ärztinnen und Ärzte sind 60 Jahre und älter.

Ein weiterer Blick in die Statistik zeigt, dass rund 43 Prozent der rheinland-pfälzischen Landesärztekammer-Mitglieder weiblich sind. Im vergangenen Jahr sind bei der Landesärztekammer 9.827 Ärztinnen registriert gewesen; von ihnen sind 8.412 berufstätig. Damit ist der Anteil der berufstätigen Ärztinnen im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent gestiegen. Der größte Teil der Ärztinnen arbeitet nach wie vor im stationären Bereich.

In der Statistik ist auch erkennbar, wie viele Ärztinnen und Ärzte Rheinland-Pfalz verlassen haben: 63 Ärzt*innen aus Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr ins Ausland ausgewandert. Die meisten von ihnen gingen in die Schweiz und nach Luxemburg.

Weiter gestiegen ist in den vergangenen Jahren der Anteil der ausländischen Ärztinnen und Ärzte in Rheinland-Pfalz. Waren es im Jahr 2000 noch 799 ausländische Ärzt*innen, so arbeiteten im vergangenen Jahr bereits 2.746 ausländische Ärzt*innen im Land. Das sind fast 3,5mal so viele wie vor 20 Jahren. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Rumänien, der Russischen Föderation und Ungarn.

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