Rheinland-Pfalz22.11.2018

Rheinland-Pfalz: Neues Zentrum will psychische Gesundheit im Alter stärken

Landeskrankenhaus (AöR) und Universitätsmedizin Mainz erforschen und entwickeln innovative Behandlungsmethoden – 4,3 Millionen Euro Fördergeld

Mainz - Das Landeskrankenhaus (AöR) hat in Kooperation mit der Universitätsmedizin Mainz das bundesweit erste „Zentrum für psychische Gesundheit im Alter“ (ZpGA) gegründet. Das Konzept fußt auf den Säulen wissenschaftlicher Forschung, innovativer Behandlung und multiprofessioneller Vernetzung, um Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren pflegenden Angehörigen bestmögliche Unterstützung und Lebensqualität zu gewährleisten. Eine außerordentliche Wertschätzung erfährt das ZpGA durch die Förderzusage des Gemeinsamen Bundesausschusses über 4,3 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren.
 
Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler lobte das neue ZpGA als zukunftsweisende Initiative. „Es ist wichtig, gerade auch bei älteren Menschen Selbstheilungskräfte und Widerstandskraft zu stärken und damit das Risiko von psychischen und körperlichen Erkrankungen zu minimieren. Genau das sind die Ziele des neuen Zentrums, in dem es neben der Entwicklung effektiver Behandlungsmethoden vor allem um die Erforschung der Resilienz und die Förderung und Umsetzung von präventiven Maßnahmen geht. Ich danke deshalb allen Beteiligten, besonders den Vertretern des Landeskrankenhauses und der Universitätsmedizin für Ihre engagierte Aufbauarbeit und wünsche den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des neuen Zentrums gutes Gelingen.“
 
Ideengeber und Leiter des Zentrums ist Univ.-Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Chefarzt der Gerontopsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Alzey. Er sagt: „Wir wollen mit dem ZpGA die Vorbeugung psychischer Erkrankungen im Alter weiterentwickeln. Dazu arbeiten wir berufsübergreifend sehr individuell mit den Patienten und Angehörigen zusammen. Basis unserer Arbeit ist die Forschung, zum Beispiel in Bereichen des kognitiven Lernens im Alter oder der Stressbelastung pflegender Angehöriger. Aus der Forschung heraus entwickeln wir Präventions- und Behandlungsstrategien für Ältere, durch die sie ihre psychische Gesundheit und Lebensqualität trotz zahlreicher Einschränkungen und Belastungen, wie etwa der Pflege eines an Demenz erkrankten Lebenspartners, besser aufrechterhalten können.“
 
Die Gründung des ZpGA ist für das Landeskrankenhaus (AöR), Träger der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, ein wichtiger Baustein der eigenen Unternehmensphilosophie. Geschäftsführer Dr. Gerald Gaß betont: „Die Entwicklung zukunftsweisender Versorgung und innovativer Leistungsangebote sind im Landeskrankenhaus fest verankert. Das ZpGA steht für die Umsetzung dieser Kriterien. Es versteht sich als Bindeglied zwischen Forschung mit dem Schwerpunkt Prävention und der Implementierung gesundheitserhaltender Maßnahmen und innovativer Versorgungsmodelle der Regelversorgung.“
 
Für Univ.-Prof. Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, ist klar, dass vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch die psychische Gesundheit älterer Menschen zunehmend in den Fokus des wissenschaftlichen und therapeutischen Interesses rückt. „Als Kooperationspartner entwickelt die Universitätsmedizin Mainz zusammen mit dem ZpGA innovative Formen der Prävention und neue Behandlungsformen für psychische Erkrankungen im Alter. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Resilienzforschung, durch die ältere Menschen in die Lage versetzt werden sollen, ihre geistige Leistungsfähigkeit auch bis ins hohe Alter zu erhalten.“
 
Eine frühe Diagnostik ist wichtig, um Patienten mit Demenzerkrankungen und ihren Angehörigen gut zu helfen, erklärt Dr. Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Doch eine Diagnose ohne Versorgungskonsequenz bringt keinen Vorteil. Deshalb sollte eine frühe Diagnostik unbedingt einhergehen mit einem bedarfsgerechten Versorgungsangebot. So lässt sich die häusliche Versorgungssituation für Patienten und Angehörige stabilisieren. Für eine noch intensivere hausarztbasierte Versorgung von älteren Menschen haben sich landesweit bereits über 1000 Ärztinnen und Ärzte mit der Fachkunde Geriatrie zusätzlich qualifiziert und so einen wichtigen Baustein für eine verbesserte Versorgung der älteren Patientinnen und Patienten gelegt.
 
Seelisches Wohlbefinden ist ein bedeutendes Kriterium für Lebensqualität im Alter. „Symptome, die auf ein seelisches Leiden, etwa eine Depression, hinweisen, bleiben aber oft unerkannt. Viele ältere Menschen sprechen nicht über ihre Probleme, weil psychische Erkrankungen immer noch mit Tabus behaftet sind“, sagt Sanitätsrat Dr. Günter Gerhardt, Vorsitzender der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG). „Die LZG engagiert sich gemeinsam mit dem Sozial- und Gesundheitsministerium für die Aufklärung über Demenz und Depression, damit Betroffene schneller Hilfe erhalten und Lebensqualität wiederhergestellt wird. Wir freuen uns, für dieses Ziel mit dem Zentrum für psychische Gesundheit im Alter zukünftig zusammenzuarbeiten.“

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