Sachsen-Anhalt15.01.2020

Sachsen-Anhalt: „Hauptsache Gesund - Perspektiven in der ärztlichen Versorgung“ - Dr. Google oder Dr. Kleist - Medizin im Wandel

Gemeinsame Erklärung zum Neujahrsempfang der Heilberufler Sachsen-Anhalts

Magdeburg - Videosprechstunde, Digitalisierung, Gesundheits-App. Schlagworte, die mit der medizinischen Versorgung einhergehen und die Lösungen für Versorgungsprobleme bieten sollen. „Der steigende Versorgungsbedarf verlangt Lösungen für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Digitalisierung oder die Akademisierung der Fachberufe können dabei die nötigen Impulse setzen. Maßstäbe der ärztlichen Sorgfalt und des Patientenschutzes, auch hinsichtlich seiner sensiblen Gesundheitsdaten, dürfen dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Es ist oft eine Gratwanderung, die nach der Expertise der Heilberufler verlangt“, erklärt die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, anlässlich des diesjährigen Neujahrsempfangs der Heilberufe. So nahmen die Heilberufler zu den aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen Stellung und gaben einen Ausblick auf deren Zukunft in Sachsen-Anhalt.
 
Die Heilberufler machten deutlich, dass Sie aufgeschlossen gegenüber neuen technischen Möglichkeiten sind. Diese müssen für Patienten und Heilberufler gleichermaßen echte Verbesserung und Erleichterung darstellen. Abstriche bei der Qualität oder dem Datenschutz darf es in der Patientenversorgung nicht geben.
 
„Mit der vom KV-System organisierten neuen elektronischen Plattform zum Buchen von dringlichen Arztterminen und der Möglichkeit, sich bei Gesundheitsproblemen jeden Tag telefonisch oder über die App an die 116117 wenden zu können, wird durch die Unterstützung digitaler Medien die Sicherstellung der ambulanten Versorgung weiter ausgestaltet“, betonte Dr. Burkhard John, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt.
 
An ihre Grenzen stoße die Telemedizin jedoch bei der zahnmedizinischen Versorgung. „Videosprechstunden und Assistenzberufe könnten die Behandlung insbesondere der wachsenden Zahl multimorbider und pflegebedürftiger Patienten in Sachsen-Anhalt nicht gewährleisten“, erklärte Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt. Hier brauche es eine stabile Versorgungslandschaft mit Zahnärzten in freier Niederlassung und einheitliche Behandlungsbedingungen in Pflegeeinrichtungen. Außerdem arbeite die Zahnärztekammer an einem Verbundprojekt zur integrierten Behandlung speziell geriatrischer und behinderter Patienten, so Dr. Hünecke.
 
Bei der Versorgung von Pflegeheimbewohnern ist Sachsen-Anhalt bereits jetzt bundesweit Vorreiter. Kooperationsverträge, die zwischen Pflegeeinrichtungen und Zahnarztpraxen geschlossen werden, ermöglichen eine systematische Betreuung pflegebedürftiger Patienten direkt vor Ort. Für Sachsen-Anhalts 633 Pflegeeinrichtungen bestehen aktuell 269 dieser Verträge. „Mit einer theoretischen Abdeckung von mehr als 40% liegen wir damit zehn Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt“, lobte Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt. Eine hundertprozentige vertragliche Abdeckung sei das erklärte Ziel, gestalte sich aber durch die stetig sinkende Zahl von Vertragszahnärzten im Bundesland immer schwieriger.
 
Die Apotheker legen ihr Augenmerk darauf, dass der digitale Wandel die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung verbessert. „Wir versorgen zuverlässig mit Arzneimitteln, in der Selbstmedikation und auf Rezept. Dabei nutzen wir schon lange im Hintergrund digitale Möglichkeiten, sei es beispielsweise die Echtzeitabfrage und Bestellung beim Großhandel oder zur Arzneimittelinformation. Doch das wirksamste Mittel für die richtige und sichere Anwendung der Arzneimittel ist noch immer die direkte persönliche Kommunikation. Neben der bestmöglichen individuellen Beratung hat der Schutz personenbezogener Daten unserer Patienten dabei oberste Priorität“, verdeutlichte Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt.