Sachsen26.09.2018

Sachsen: Launch der Kinderschutz-App Hans&Gretel

Ein digitales Anwendungsprogramm zur Erkennung und Vorgehensweise bei Kindeswohlgefährdung

Dresden - Die Sächsische Landesärztekammer und die Techniker Krankenkasse haben eine deutschlandweit einmalige Kinderschutz-App „Hans&Gretel“ entwickeln lassen. Die App dient der frühzeitigen Erkennung einer Kindeswohlgefährdung. Sie löst herkömmliche Materialien ab und ist jederzeit vor Ort auf allen mobilen Endgeräten sowie im Internet verfügbar. Ziel der digitalen Anwendung ist eine bessere Prävention bei Kindeswohlgefährdung und häuslicher Gewalt.

„Der Schutz unserer Kinder vor Gewalt und Missbrauch ist seit vielen Jahren ein zentrales Anliegen der Sächsischen Landesärztekammer. Die Weiterentwicklung von Schulungsunterlagen und die Nutzung digitaler Technologien für eine noch  bessere Prävention ist für mich daher ein logischer Schritt, um Ärzte in ihrer Arbeit noch besser zu unterstützen.“, betont Erik  Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

Simone Hartmann, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen: "Auch der TK ist es ein besonderes Anliegen, den Kinderschutz  zielgerichtet zu fördern. Mit der App 'Hans und Gretel' wurde ein zeitgemäßes Instrument für den praktischen Einsatz entwickelt,  das es Ärzten erleichtert, mit Verdachtsfällen umzugehen und die richtigen Entscheidungen zum Wohl der Kinder zu treffen."

 "Vor allem die Verfügbarkeit zu jeder Zeit an jedem Ort, ist für mich im ärztlichen Alltag ein wesentlicher Vorteil, gegenüber von Broschüren und Formularen.“, so Prof. Dr. med. Guido Fitze, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und Mitglied des Projektteams. „Die Nutzung von mobilen Endgeräten ist im ärztlichen Alltag angekommen. Wir greifen diesen Trend mit der App für dieses wichtige Thema auf“.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 war im Hinblick auf Gewaltdelikte an Kinder alarmierend. Insgesamt waren im letzten Jahr 4208 Kinder in Deutschland von Gewalttaten betroffen. 143 Kinder starben an den Folgen von Gewalt – das bedeutet, dass jede  Woche mindestens zwei Kinder Opfer eines Tötungsdeliktes wurden. Dabei waren fast 78 Prozent von ihnen zum  Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. 77 Kinder überlebten einen Tötungsversuch. Und das sind lediglich die Zahlen im  so genannten „Hellfeld“, die angezeigt und statistisch erfasst werden konnten – Tendenz steigend. Und immer wieder stellt sich  die Frage, wie das zu verhindern sei, wann frühzeitig interveniert werden solle und wie man klare Entscheidungen hierbei gut fundiert treffen könne.

Aus diesen Gründen nahmen sich die Mitglieder der Fachkommission „Häusliche Gewalt – Gewalt in der Familie“ der  Sächsischen Landesärztekammer in Kooperation mit dem Projekt „Verstetigung des medizinischen Kinderschutzes in Sachsen“  und der Techniker Krankenkasse im Zuge der Überarbeitung des Leitfadens „Gewalt gegen Kinder” diesen Fragestellungen an und entwickelten die Kinderschutz-App „Hans&Gretel“.

Zum Projektteam gehören:

  • Prof. Dr. med. Guido Fitze, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
  • Prof. Dr. med. Christine Erfurt, Dr. med. Uwe Schmidt, Institut für Rechtsmedizin, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, TU Dresden
  • Dr. rer. medic. Anja Zschieschang, Juliane Straube-Krüger, Projekt „Verstetigung des medizinischen Kinderschutzes in Sachsen“
  • Matthias Jakob, Referent der Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Sachsen
  • Johannes Richter, Agentur leicht+luftig, Dresden

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