Landesärztekammern 04.07.2018

Westfalen-Lippe: ÄKWL mahnt strukturelle Verbesserungen im Transplantationswesen an

Münster - Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hat sich heute mit überwältigender Mehrheit für die Einführung der Widerspruchslösung mit Veto-Recht der Angehörigen ausgesprochen, um so die Zahl der Patienten, die auf der Warteliste für eine Transplantation stehen, abzubauen. Zudem mahnt das westfälisch-lippische Ärzteparlament in dem Antrag auf Initiative der Fraktion der Hausärzte strukturelle Verbesserungen im Transplantationswesen an. Dazu gehören laut Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst die Freistellung der Transplantationsbeauftragten und die finanzielle Unterstützung der Organentnahme-Kliniken. Damit unterstützt die Kammerversammlung auch die Beschlüsse der diesjährigen Gesundheitsministerkonferenz zur Steigerung der Organspende in Deutschland.
 
Kammerpräsident Windhorst wies in der Debatte darauf hin, dass Nordrhein-Westfalen mit 8,2 Organspenden pro Millionen Einwohner im deutschen sowie auch internationalen Vergleich weit hinterherhinke. Bundesweit gebe es 9,3 Spenden pro Millionen Einwohner, in Spanien seien es sogar 39. „Die Menschen sollen sich mit dem Thema der Organspende auseinandersetzen und im Sinne des Selbstbestimmungsrechts des Patienten verpflichtend entscheiden – am besten pro Organspende.“ Deshalb sei die Widerspruchslösung mit einem Veto-Recht für die engsten Angehörigen die „ehrlichste Lösung“. Die Gesellschaft trage eine Verantwortung für die Patienten auf der Warteliste für eine Organspende.
 
Die Zahl der Organspenden ist in Deutschland auf dem niedrigsten Niveau, seitdem diese Zahlen dokumentiert werden. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation weist für das vergangene Jahr noch 797 Organspender aus, 2016 spendeten 857 Menschen Organe. Vor zehn Jahren waren es 1313, 40 Prozent mehr als 2017.  
 
Windhorst abschließend: „In der gesellschaftlichen Diskussion kann so eine Bereitschaft zur Organspende und eine Systemänderung bei der Organspende angesprochen werden und dabei die Einführung der Widerspruchslösung erfolgen. Jetzt ist es Zeit für die Systemänderung, um das Leiden der kranken Menschen auf der Warteliste für ein neues lebensrettendes Organ nicht noch weiter zu vergrößern. Unser derzeitiges Organspende-System hat versagt.“

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