Baden-Württemberg05.04.2022

Baden-Württemberg: Ärztekammer: Die Klimakrise ist im ärztlichen Alltag schon spürbar

Weltgesundheitstag nimmt gesundheitliche Folgen des Klimawandels in den Fokus

Stuttgart - Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen sind im ärztlichen Berufsalltag schon spürbar. Darauf macht die Landesärztekammer Baden-Württemberg zum Weltgesundheitstag am 7. April aufmerksam – der Tag steht dieses Mal unter dem Motto „Unser Planet, unsere Gesundheit“ und weist auf die enge Beziehung zwischen Klima und Gesundheit hin. „Die Klimakrise ist real und macht unseren Patientinnen und Patienten bereits zu schaffen“, stellt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, fest. So gehöre vor allem die Behandlung von hitzebedingtem Leiden mittlerweile zur ärztlichen Routine. Zu beobachten seien auch die Zunahme von Allergien und Infektionen sowie Atemwegsbeschwerden, die durch Umwelteinflüsse begünstigt werden. Auch die Diagnose der durch Zecken übertragenen Infektionskrankheit FSME oder von eigentlich in den Tropen beheimateten Erkrankungen sei möglicherweise durch den Temperaturanstieg in Mitteleuropa begünstigt.

„Wir müssen dem Klimawandel entschieden entgegentreten, um unsere Lebensgrundlagen und damit auch die Gesundheit der Menschen zu schützen“, sagt Dr. Miller. „Wir Ärztinnen und Ärzte bringen uns in diese wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe ein.“ Tatsächlich ist Klima- und Umweltschutz ein ureigenes ärztliches Thema. Denn die Berufsordnung verpflichtet Ärztinnen und Ärzte dazu, an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen für seinen Gesundheitsschutz mitzuwirken.

Die Südwest-Ärzteschaft ist hier seit langem aktiv: So drehte sich im vergangenen Januar beim von ihr ausgerichteten „Landeskongress Gesundheit“ alles um die Herausforderungen des Klimawandels und die Anforderungen an ein nachhaltiges Gesundheitssystem. Im Jahr zuvor war die Klimakrise zentrales Thema bei beiden Vertreterversammlungen der Landesärztekammer. Konkret hatten die Delegierten Maßnahmen skizziert, um besonders vulnerable Gruppen besser zu schützen. Konkret wurde beschlossen, den CO2-Abdruck der ärztlichen Selbstverwaltung selbst so klein wie möglich zu halten. Auch auf dem Deutschen Ärztetag hatten sich die Südwest-Vertreter in die Debatte zur Klimakrise eingebracht. Regelmäßig begleitet der von der Landesärztekammer eingerichtete Ausschuss „Prävention und Umwelt“ die Folgen des Klimawandels aus ärztlicher Sicht.

„Bei all unseren Aktivitäten gehört es zu unserem Selbstverständnis, zu überlegen, welche Rolle uns selbst zukommt und wie wir im Gesundheitswesen mit gutem Beispiel vorangehen können“, stellt Kammerpräsident Dr. Miller heraus. Die Ärztekammer appelliert daher zum Weltgesundheitstag an alle Akteure des Gesundheitssystems, größtmögliche Anstrengungen zu unternehmen, um ressourcenschonender zu arbeiten. Arztpraxen, Kliniken, Reha-Einrichtungen, Körperschaften, Krankenkassen, Lieferanten etc.: Sie alle können viel für den Klimaschutz tun. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen wie das Vorantreiben digitaler Strukturen und telemedizinischer Prozesse, um Wege einzusparen. Aber auch effiziente Wärmeisolierung, Umstellung auf Öko-Strom, das richtige Ressourcen-Management bei der Medikamentenauslieferung und -vergabe, bessere Mülltrennung und gezielte Investitionen in Projekte zur Emissionssenkung sind hilfreich. Weitergehend könnten auch Patientinnen und Patienten für das Thema Klimaschutz sensibilisiert werden: Mit klimafreundlicher Ernährung und mit dem Umstieg vom Auto aufs Fahrrad können sie gleichzeitig etwas für die eigene Gesundheit tun.

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