Niedersachsen28.11.2021

Niedersachsen: „Wir fordern eine Impfpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger, bei denen keine medizinischen Kontraindikationen gegen eine Impfung vorliegen“

Hannover - Mit einer stagnierenden COVID-19-Impfquote von rund 70 Prozent werde es nicht gelingen, die vierte Welle der Pandemie aufzuhalten. Deshalb forderten Mitglieder der Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen im Rahmen einer Online-Informationsveranstaltung am 27. November eine allgemeine Impfpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger, bei denen keine medizinischen Kontraindikationen gegen eine Impfung vorliegen.

Die Mitglieder der parlamentarischen Vertretung der rund 44.000 niedersächsischen Ärztinnen und Ärzte, die an der Infoveranstaltung teilnahmen, setzen dabei auf deutliche Anreize für freiwillig Ungeimpfte: „Impfen muss sich für die Menschen lohnen!“

Folgender Text wurde mit großer Mehrheit angenommen:

Erklärung von Mitgliedern des Ärzteparlaments der Ärztekammer Niedersachsen

„Wir fordern eine Impfpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger, bei denen keine medizinischen Kontraindikationen gegen eine Impfung vorliegen“

Um einen erneuten Lockdown zu verhindern und auch erneute Belastungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durch die Schließung von Kitas, Schulen und Universitäten, fordern Mitglieder des Ärzteparlaments der Ärztekammer Niedersachsen anlässlich einer Informationsveranstaltung Impfpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger, bei denen keine gesundheitlichen Gründe gegen eine Impfung sprechen.

Der Winter hat noch nicht richtig begonnen. Trotzdem sind die Neuinfektionen, die Inzidenz und die Todeszahlen bereits in erschreckende Höhen geschnellt. Die vierte Welle der COVID-19-Pandemie ist nicht mehr aufzuhalten. Mit den Infektionen steigt die Zahl der schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen massiv. Wie im vorigen Jahr beginnen Krankenhäuser, planbare Operationen aufzuschieben. Wenn die Intensivbetten mit COVID-Patientinnen und -Patienten belegt sind, werden andere schwer Erkrankte erneut das Nachsehen haben. Erste Kliniken im Bundesgebiet haben die Belastungsgrenze bereits erreicht. Es müssen jetzt Intensivpatientinnen und -patienten aus Bayern und weiteren Bundesländern verlegt werden. Zusätzlich hat die Zahl der belegbaren Intensivbetten und auch der Beatmungsplätze im Vergleich zum ersten Corona-Winter 2020 deutlich abgenommen: Denn – wie befürchtet – hat sich jede vierte Intensivpflegekraft nach den extremen physischen und psychischen Belastungen während der ersten Wellen beruflich verändert und der Intensivstation den Rücken gekehrt.

Mit einer stagnierenden COVID-19-Impfquote von rund 70 Prozent gelingt es nicht, die extrem infektiöse Delta-Variante in Schach zu halten. Schon droht wieder ein Lockdown mit immensen Belastungen für die Gesellschaft und für die vulnerablen Gruppen – allen voran die Kinder und Jugendlichen. Das Gesundheitssystem steht vor der Überlastung, an vielen Stellen ist es bereits überlastet. Deshalb fordern Mitglieder des Ärzteparlaments der Ärztekammer Niedersachsen anlässlich einer Informationsveranstaltung eine Corona-Impfpflicht für alle erwachsenen Bürgerinnen und Bürger, bei denen keine medizinischen Kontraindikationen gegen eine Impfung vorliegen. Die Zahl der Fälle mit Nebenwirkungen liegen nach mehr als 100 Millionen in Deutschland verimpften Dosen auf einem äußerst niedrigen Niveau.  

Während der bisherigen Pandemie haben viele Menschen eine große Solidarität bewiesen und zum Wohle der Gesellschaft diszipliniert in vielerlei Hinsicht zurückgesteckt: Doch das allein kann die vierte Welle nicht brechen! Wichtig ist es, die Zahl der nicht geimpften Menschen zu reduzieren und vor allem den Schutz der Geimpften durch schnelle Booster-Impfungen und ausreichenden Impfstoff zu gewährleisten. Bisher ungeimpfte Erwachsene und vor allem Personen, die im Gesundheitssystem oder in Kindergärten und Schulen tätig sind, müssen sich jetzt impfen lassen.

Die Impfungen sind unser Weg aus der Pandemie – eine andere, bessere Exit-Strategie ist nicht in Sicht.  

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