Schleswig-Holstein14.04.2022

Schleswig-Holstein: Mehr Wertschätzung für MFA

Bad Segeberg − Die Medizinische Fachangestellte (MFA) lag 2021 bundesweit auf Platz 1 der Rangliste der Ausbildungsberufe bei Frauen. Mit insgesamt 17.841 unterzeichneten Ausbildungsverträgen stieg die Anzahl neuer Auszubildender MFA um 14,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) ist als zuständige Stelle verantwortlich für die Ausbildung der MFA in Schleswig-Holstein. Aufgrund der hohen Abbruchquote unter den Auszubildenden wurde eine Umfrage unter auszubildenden und berufstätigen MFA durchgeführt. Das Ergebnis: steigende Mehrarbeit, keine Wertschätzung.

An den Tresen in den Praxen in Schleswig-Holstein herrscht Anspannung. Immer mehr in Ausbildung befindlicher MFA brechen ihre Ausbildung ab. 31 Prozent der Auszubildenden spielen mit dem Gedanken,  der Patientenversorgung dauerhaft den Rücken zu kehren. Zu diesen ernüchternden Zahlen kam eine in der Akademie der ÄKSH durchgeführte Umfrage unter rund 500 auszubildenden und berufstätigen MFA. 54 Prozent der Befragten, die sich gegen eine Weiterführung ihrer Ausbildung entschieden haben, berichten von Unstimmigkeiten mit Vorgesetzten, 62 Prozent von einem schlechten Umgang im Team. Eine ähnlich angespannte Stimmung in den Teams ist auch unter den aktuell noch in Ausbildung befindlichen sowie berufstätigen MFA festzustellen. Woran liegt das?

Arbeit am Limit
Unter den berufstätigen und in Ausbildung befindlichen MFA sind Mehrbelastungen ausschlaggebend für die gereizte Stimmung im Team. Zeitdruck (79 Prozent), Desinfektion von Räumen und Material (79 Prozent), gereizte Patientinnen und Patienten (90 Prozent), und Nachfragen zu Impfungen (89 Prozent) führten nach Angaben der Befragten zu einer steigenden Arbeitsbelastung. Das Resultat: Wachsende Überstunden, die in der Pandemie nicht abgebaut werden können. Außerdem gaben die befragten MFA an, dass ihre Aufgaben durch die Pandemie anspruchsvoller (78 Prozent), anstrengender (95 Prozent) und zeitintensiver (93 Prozent) geworden sind. Viele empfinden die andauernde Mehrbelastung als eine Zumutung. Viele sind mit den Kräften am Ende. Vielen fehlt es an Wertschätzung und Anerkennung. „Die Pflegenden in den Kliniken sowie die Medizinischen Fachangestellten in den Praxen haben in den vergangenen zwei Pandemiejahren unter einer enormen Mehrbelastung gelitten. Steigende Personalausfälle verstärken den Druck auf das übriggebliebene medizinische Personal“, so Prof. Dr. Henrik Herrmann, Präsident der ÄKSH. Die Umfrageergebnisse sind ernüchternd: Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung, einer steigenden Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten in der Pandemie sowie geringer Wertschätzung spielen viele junge MFA mit dem Gedanken, die Patientenversorgung zu verlassen oder dem Gesundheitswesen ganz den Rücken zu kehren. „Die Berufsgruppe der MFA, die unter denselben Mehrbelastungen und personellen Strapazen zu leiden hatte wie Pflegende, vermissen Wertschätzung und sind in der Debatte um Coronaprämien nicht berücksichtigt worden. Selbst diese Art der Anerkennung ist den MFA verwehrt geblieben“, spricht sich Herrmann für eine Coronaprämie für MFA aus. „Geld ist aber nicht alles. Der MFA-Beruf genießt unberechtigterweise kein hohes Ansehen in der Gesellschaft. Veraltete Begriffe wie ‚Arzthelferin‘ werden dem Berufsbild nicht gerecht.“ MFA unterstützen zwar Ärztinnen und Ärzte bei medizinischen Untersuchungen und Behandlung. Das Berufsbild beinhaltet jedoch mehr als medizinische Assistenzaufgaben. MFA managen Patientenströme und übernehmen Verantwortung im Praxisbetrieb. In der Pandemie haben sie zusätzlich zum Arbeitsalltag die Praxen unter sich ständig ändernden Maßnahmen beinahe wöchentlich umstrukturieren und Arbeitsabläufe anpassen müssen und so die Impfaktionen im besonderen Maße unterstützt.

Kein Sackgassenberuf
Um den Beruf dauerhaft attraktiver zu gestalten, bietet die ÄKSH den MFA umfangreiche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. MFA können somit ihre Kompetenzen stetig erweitern und mehr Verantwortung im Praxisbetrieb und der medizinischen Versorgung übernehmen und so zum Beispiel eigenständig Hausbesuche durchführen. „Auf die MFA war und ist in den Praxen Verlass. Daher müssen wir alles unternehmen, damit sie ihre Stelle nicht verlassen.“

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