Health Technology Assessment

Unter Health Technology Assessment (HTA) wird üblicherweise die systematische, evidenzbasierte Bewertung medizinischer Verfahren und Technologien im Hinblick auf deren Effekte auf die Gesundheitsversorgung verstanden. Die Dimensionen der Bewertung können dabei über den bloßen medizinischen Nutzen hinausgehen und auch ökonomische, ethische, soziale sowie weitere Auswirkungen berücksichtigen. Bewertet werden überwiegend therapeutische  und diagnostische Verfahren, es können aber auch komplexe Versorgungsmaßnahmen wie z. B. Krebsfrüherkennungsprogramme einer HTA-Bewertung unterzogen werden. HTA-Berichte können als Instrument der Entscheidungsfindung für die Aufnahme oder Zurückweisung neuer Verfahren, Technologien oder Maßnahmen in die medizinische Regelversorgung dienen.

In Deutschland ist eine systematische Nutzenbewertung mit Konsequenzen für die Gesetzliche Krankenversicherung institutionell beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) verankert. Hier ist zu unterscheiden zwischen Bewertungen von Arzneimitteln (siehe insbesondere § 35a SGB V) und von medizinischen Diagnose- und Behandlungsverfahren (mit und ohne Beteiligung von Medizinprodukten – siehe insbesondere die §§ 137c, 137e und 137h SGB V). Zwar wird keines dieser Verfahren offiziell unter der Bezeichnung „HTA“ geführt, Zielrichtung und Methodik entsprechen aber der Definition.

Expressis verbis als „HTA-Berichte“ vorgestellt werden hingegen jene Nutzenbewertungen, die beim IQWiG (vormals beim DIMDI) als Beitrag der Bürgerbeteiligung im Bereich der evidenzbasierten Medizin betreut werden. Diese HTA-Berichte entfalten allerdings keine unmittelbare Wirkung auf den Leistungskatalog der GKV.

Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam hatten sich zeitweise selber mit der Erstellung evidenzbasierter Berichte zum medizinischen Stellenwert und therapeutischen Nutzen neuer Behandlungsmethoden beschäftigt. Eine entsprechende Arbeitsgruppe verfasste und veröffentlichte in den Jahren 2002 bis 2005 HTA-Berichte zu den Themen „Laserinduzierte interstitielle Thermotherapie (LITT) bei malignen Tumoren“, „Minimalinvasive Wirbelsäulenkathetertechnik nach Racz“, „Radiumchloridtherapie bei Morbus Bechterew“ und „Permanente interstitielle Brachytherapie (Seed-Implantation) bei lokal begrenztem Prostatakarzinom“.

Auf europäischer Ebene verfolgt die EU-Kommission das Ziel, ihre vielfältigen Harmonisierungsbestrebungen auch auf die Erstellung von HTAs auszudehnen. Nach anfänglicher Förderung ausschließlich freiwilliger Kooperationen zwischen HTA-Institutionen der EU-Mitgliedsstaaten plant die EU-Kommission mittlerweile eine obligatorische Zentralisierung von Nutzenbewertungen auf EU-Ebene. Als Argumente werden insbesondere Vermeidung von Doppelarbeit, Planungssicherheit für die Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten, Marktharmonisierung sowie ein einheitlicher und zügiger Zugang von Patientinnen und Patienten zu „Innovationen“ angeführt. Diese – aus Sicht der Bundesärztekammer - eher industrieaffine Regelung wird mittelfristig die Bewertungstätigkeiten der deutschen Institutionen beeinflussen. Zwar betont die EU-Kommission die Trennung von klinischer Nutzenbewertung einerseits und Bewertung der sozialen (bzw. sozialrechtlichen) ethischen, ökonomischen und weiteren Dimensionen andererseits. Letztere sollen in der Hoheit der Mitgliedsstaaten verbleiben, und lediglich die klinische Bewertung soll zentral erfolgen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob eine solche Fraktionierung realistisch und sinnvoll ist, und ob nicht die Zentralisierung das Risiko externer Einflussnahme auf die Bewertungsverfahren erhöhen wird.

Für eine ausführlichere Positionierung zu diesem Vorgang siehe hier