Alkohol

Jeder Deutsche konsumiert pro Jahr 9,9 Liter reinen Alkohol. Den Erhebungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) zufolge bedeutet dies: pro Kopf werden 111,1 Liter Bier, 20,7 Liter Wein, 3,9 Liter Schaumwein und 5,5 Liter Spirituosen getrunken. Der Alkoholkonsum zeigte in den letzten Jahren zwar eine rückläufige Tendenz, dennoch belegt Deutschland im internationalen Vergleich unverändert einen der vorderen Plätze. Die kritische Grenze für einen risikoarmen Konsum wird von der DHS [PDF] für Frauen mit 12 g (ein Glas Bier à 0,3 Liter mit 4,8 % vol oder ein Achtel Wein) und für Männer mit 24 g (zwei Gläser Bier à 0,3 Liter mit 4,8 % vol oder zwei Achtel Wein) angegeben. Diese Empfehlungen gelten als obere durchschnittliche Trinkmenge.

Gemäß Drogen- und Suchtbericht 2009 [PDF] gibt es jedoch bundesweit 9,5 Millionen Menschen mit riskantem Trinkverhalten, hierunter 2,7 Millionen mit einem schädlichen Alkoholgebrauch und 1,3 Millionen Alkoholabhängige. Der Einstieg des Alkoholkonsums beginnt oft bereits im Jugendalter – so geben in der Drogenaffinitätsstudie 2008 der BZgA rund drei Viertel (75,8 %) der 12- bis 17-Jährigen an, bereits einmal Alkohol getrunken zu haben. 17,4 % der Jugendliche dieser Altersgruppe sagen, dass sie wöchentlich mindestens ein alkoholisches Getränk zu sich nehmen, während es 2004 noch 21,2 % waren. In den letzten Jahren zeigen vor allem Jugendliche vermehrt ein „riskantes Konsummuster“. Laut BZgA ist dies bei 8,2 % der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren der Fall. Dazu gehört insbesondere das Rauschtrinken (sog. Binge Drinking) – d. h. der Konsum von fünf oder mehr Gläsern alkoholischer Getränke hintereinander. Die Ergebnisse belegen ferner, dass der Anteil Jugendlicher, die in den letzten 30 Tagen mindestens einmal Binge-Drinking vollzogen haben, zwar rückläufig ist (2007: 25,5 % ), aber im Jahr 2008 immer noch bei 20,4 % lag. In der Folge wird in den letzten Jahren ein dramatischer Anstieg bei der alkoholbedingten Krankenhausaufnahme von Jugendlichen festgestellt. Wurden 2007 23.165 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren aufgrund einer Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt, waren es im Vergleich dazu im Jahr 2000 noch 9.514 Einweisungen gewesen. Als Reaktion auf die zunehmende Verbreitung exzessiven Trinkverhaltens und dem daraus resultierenden Anstieg von stationären Aufnahmen bei Jugendlichen wurden mehrere bundesweite Präventionsprojekte entwickelt. Nähere Informationen zu einer Auswahl dieser Programme finden Sie hier.

Da 80 % der Menschen mit Alkoholproblemen mindestens einmal im Jahr Kontakt zu ihrem Hausarzt haben, kann die ärztliche Praxis eine wichtige Aufgabe bei der frühzeitige Erkennung und Behandlung alkoholbedingter Erkrankungen erfüllen. Dazu gehören ein niederschwelliges Screening von Praxispatienten, eine sensible Ansprache bei Auffälligkeiten, in Abstimmung mit dem Patienten eine anschließende Einleitung einer entsprechenden Behandlung sowie die Kontaktaufnahme zum Suchthilfesystem und zu Selbsthilfegruppen.

Folgende Informationen sollen Ihnen für die Beratung und Behandlung von Patienten mit Alkoholproblemen eine wertvolle Unterstützung sein: