Tätigkeitsbericht 2025 der BAEK

6 das Gesundheitswesen in Deutschland befindet sich an einem Wendepunkt: Der demografische Wandel führt zu einer älter werdenden Bevölkerung mit steigender Krankheitslast, der Fachkräftemangel setzt die Versorgung in nahezu allen Bereichen unter Druck. Gleichzeitig werden medizinische Leistungen weitgehend unkoordiniert in Anspruch genommen und belasten die bestehenden Strukturen zusätzlich. Hinzu kommt ein erheblicher Reformbedarf im stationären Sektor, von der Leistungsplanung über die Vorhaltung bis hin zur Finanzierung der Krankenhausstandorte. Es besteht weitgehend Konsens, dass wir eine echte Erneuerung brauchen – beim Zugang zur Versorgung, bei der Begleitung der Patientinnen und Patienten im Behandlungsprozess, bei der Ausgestaltung der Krankenhauslandschaft, bei der Inanspruchnahme der Akut- und Notfallversorgung und in vielen Bereichen mehr. Darüber hinaus müssen wir neben der kurativen Medizin auf einen grundlegenden Neustart in der Präventionspolitik hinwirken. Gerade in der Vorbeugung chronischer Erkrankungen und Volkskrankheiten liegen erhebliche medizinische und ökonomische Potenziale, die bislang unzureichend genutzt werden. Prävention darf nicht länger Randthema bleiben, sondern muss als strategische, ressortübergreifende Kernaufgabe mit klaren Zielen und überprüfbaren Ergebnissen verstanden werden. Von der Politik erwarten wir, dass sie uns fair, frühzeitig und substanziell in diese grundlegende Neuausrichtung einbindet. Im Gegenzug können wir zusagen, dass wir als ärztliche Selbstverwaltung Verantwortung übernehmen, bei der Ausarbeitung von Konzepten ebenso wie bei der Umsetzung der notwendigen Schritte. Bei alledem geht es aber nicht nur um eine strukturelle Weiterentwicklung der Versorgung, sondern auch um ein gesamtgesellschaftliches Commitment: Welchen Stellenwert hat Gesundheit in unserer Gesellschaft – und was sind wir bereit, dafür zu leisten? Diese Frage reicht weit über die Debatte um Beitragssätze, Rücklagen und Defizite hinaus. Es geht um Verantwortung. Verantwortung des Staates. Verantwortung der Gesellschaft als Ganzes, aber eben auch um die Verantwortung jedes Einzelnen. Diese und weitere Aspekte wollen wir auf dem Deutschen Ärztetag diskutieren, der vom 12. bis 15. Mai 2026 in Hannover stattfindet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, neben diesen grundsätzlichen politischen Fragen wird sich der Ärztetag mit weiteren gesellschaftspolitisch relevanten Themen befassen. Besonders hervorzuheben ist das diesjährige Schwerpunktthema: „Suchtmedizin im Wandel – Ärztliche Verantwortung zwischen Prävention, Versorgung und Regulierung“. Gemeinsam mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und DrogenVorwort Liebe Kolleginnen und Kollegen,

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