Tätigkeitsbericht 2025 der BAEK

49 Zentrale Ethikkommission Einfluss finanzieller Anreize in der Patientenversorgung Finanzielle Anreize können das ärztliche Handeln beeinflussen und zu Spannungen mit (berufs-)rechtlichen und professionsethischen Verpflichtungen führen. Der 126. Deutsche Ärztetag 2022 hatte die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) gebeten, ökonomische Mechanismen und Zwänge des kommerzialisierten Gesundheitsmarktes einer ethischen Reflexion zu unterziehen. Richtig ausgestaltet, können finanzielle Anreize eine bedarfsgerechte und effiziente Versorgung fördern und zur Arbeitszufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten beitragen. Falsche Anreize hingegen begünstigen Über-, Unter- oder Fehlversorgung, untergraben das Vertrauen der Patientinnen und Patienten und führen zu moralischen Belastungen. Dies ist der Ausgangspunkt der Stellungnahme „Finanzielle Anreize in der Patientenversorgung: eine ethische Orientierung für ärztliches Handeln“ der ZEKO, die sich auf zentrale medizinethische Standards stützt. Wenngleich die Anpassung der wirkmächtigen Rahmenbedingungen essenziell ist, hebt die ZEKO hervor, dass ärztliches Handeln nicht durch die strukturellen Rahmenbedingungen determiniert wird. Vielmehr haben Ärztinnen und Ärzte Handlungsspielräume und können bzw. müssen reflektieren, wie sie sich unter professionsethischen Gesichtspunkten zu finanziellen Anreizen verhalten, die ärztliches Handeln beeinflussen können. Medizinische Professionalität verpflichtet die Ärzteschaft zu hohen ethischen Standards, die über die Alltagsmoral hinausgehen und das Vertrauen der Patientinnen und Patienten sichern. So betont unter anderem der im Jahr 2022 revidierte internationale Medizinethik-Kodex des Weltärztebundes einen verantwortungsvollen Ressourceneinsatz, Unabhängigkeit von persönlichen Vorteilen und die Meldepflicht bei versorgungsgefährdenden Bedingungen. Als konkrete Orientierungshilfe beschreibt die ZEKO typische Organisations- und Vergütungskonstellationen, die das ärztliche Urteil verzerren können. Sie analysiert verschiedene Anreizkonstellationen aus ethischer Sicht und stellt die zentralen Bewertungskriterien für die ärztliche Abwägung dar. Durch die Anwendung des Konzepts der konkurrierenden Interessen erhalten Ärztinnen und Ärzte Unterstützung für einen ethisch reflektierten Umgang mit finanziellen Anreizen in der Gesundheitsversorgung. Auch wenn die Stellungnahme auf die vertragsärztliche Versorgung fokussiert, lassen sich viele Überlegungen auf die stationäre und ambulante Versorgung im Ganzen übertragen. ■ Ausblick Zum Ende der aktuellen 10. Amtsperiode (2022/2025) hat die ZEKO im Dezember 2025 ihre Stellungnahme „Planetary Health und ärztliche Verantwortung“ verabschiedet. Auch im Interesse einer kontinuierlichen Aufgabenwahrnehmung hat der Vorstand der Bundesärztekammer die Mitglieder der ZEKO für die 11. Amtsperiode im November 2025 wiederberufen; die konstituierende Sitzung der ZEKO einschließlich der Wahl des Vorstands und der neuen Themen fand im Februar 2026 statt. © BÄK

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