AkdÄ-Stellungnahmen zur frühen Nutzenbewertung

(§ 35a SGB V)

Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz – frühe Nutzenbewertung nach § 35a SGB V.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2011 ist das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) nach § 35a SGB V in Kraft getreten, es regelt u. a. die Preisbildung für neu zugelassene Arzneimittel. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legt anhand der frühen Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Zusatznutzen neu in den Markt eingeführter Arzneimittel fest. Bevor der G-BA einen Beschluss fasst, der Eingang in die Arzneimittel-Richtlinie nehmen wird und auf dessen Grundlage die Preisverhandlungen zwischen pharmazeutischem Hersteller und der GKV beginnen, wird ein Stellungnahmeverfahren (schriftlich und mündlich) durchgeführt. Die AkdÄ als Sachverständige der medizinischen Wissenschaft und Praxis wurde vom G-BA durch Beschluss als stellungnahmeberechtigte Organisation bestimmt (§ 92 Abs. 3a SGB V).

Aktuelle Bewertungen:

07.01.2020

Stellungnahme der AkdÄ zu Andexanet alfa (Ondexxya®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Aus Sicht der AkdÄ ist für Andexanet alfa in der Indikation akute schwere Blutungen bei Erwachsenen, die mit einem direkten Faktor-Xa-Inhibitor (Apixaban oder Rivaroxaban) behandelt werden, ein Zusatznutzen nicht belegt, da der pharmazeutische Unternehmer dafür keine geeigneten Daten vorgelegt hat.

Die AkdÄ empfiehlt eine Befristung des Beschlusses bis Juni 2023. Zu diesem Zeitpunkt sollen Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Studie vorliegen, die als Auflage für die Zulassung von Andexanet alfa durchgeführt wird.

Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.

Andexanet alfa ist zugelassen bei erwachsenen Patienten, die mit einem direkten Faktor Xa(FXa)-Inhibitor (Apixaban oder Rivaroxaban) behandelt werden, wenn aufgrund lebensbedrohlicher oder nicht beherrschbarer Blutungen eine Aufhebung der Antikoagulation erforderlich ist.

AkdÄ-Stellungnahme zu AkdÄ-Stellungnahme Andexanet alfa (Ondexxya®)
G-BA: Unterlagen zu AkdÄ-Stellungnahme zu Andexanet alfa (Ondexxya®)


06.01.2020

Stellungnahme der AkdÄ zu Dupilumab (neues AWG: Asthma) (Dupixent®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Für die AkdÄ sind übereinstimmend mit dem IQWiG die vom pU vorgelegten Daten für die Bewertung des Zusatznutzens von Dupilumab als „Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem schweren Asthma mit Typ-2-Entzündung, die bereits hoch dosierte ICS und mindestens ein weiteres Arzneimittel als Erhaltungstherapie erhalten haben“, nicht geeignet, einen Zusatznutzen von Dupilumab gegenüber der ZVT abzuleiten.
Ein Zusatznutzen von Dupilumab ist für diese Patienten somit nicht belegt.

Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.

Dupilumab ist zugelassen

  • als Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch eine erhöhte Anzahl der Eosinophilen im Blut und/oder erhöhtes FeNO, das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide (ICS) plus einem weiteren zur Erhaltungstherapie angewendeten Arzneimittel unzureichend kontrolliert ist.
  • zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen.
  • als Add-on-Therapie mit intranasalen Kortikosteroiden zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP), die mit systemischen Kortikosteroiden und/oder chirurgischem Eingriff nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

AkdÄ-Stellungnahme zu AkdÄ-Stellungnahme zu Dupilumab (neues AWG: Asthma) (Dupixent®)
G-BA: Unterlagen zu AkdÄ-Stellungnahme zu Dupilumab (neues AWG: Asthma) (Dupixent®)


06.01.2020

Stellungnahme der AkdÄ zu Ibrutinib (neues AWG: CLL, Erstlinie, Kombi mit Obinutuzumab) (Imbruvica®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Für Ibrutinib in Kombination mit Obinutuzumab bei erwachsenen Patienten mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ist aus Sicht der AkdÄ kein Zusatznutzen gegenüber Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab belegt.

Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.

Ibrutinib ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten

  • mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom (MCL) als Einzelsubstanz.
  • mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL)
    • als Einzelsubstanz oder in Kombination mit Obinutuzumab bei nicht vorbehandelter CLL.
    • als Einzelsubstanz oder in Kombination mit Bendamustin und Rituximab (BR), die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben.
  • mit Morbus Waldenström (MW)
    • als Einzelsubstanz, die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben, oder zur Erstlinien-Therapie bei Patienten, die für eine Chemo-Immuntherapie nicht geeignet sind.
    • in Kombination mit Rituximab.

AkdÄ-Stellungnahme zu AkdÄ-Stellungnahme zu Ibrutinib (neues AWG: CLL, Erstlinie, Kombi mit Obinutuzumab) (Imbruvica®)
G-BA: Unterlagen zu AkdÄ-Stellungnahme zu Ibrutinib (neues AWG: CLL, Erstlinie, Kombi mit Obinutuzumab) (Imbruvica®)


10.12.2019

Stellungnahmen der AkdÄ zu Cemiplimab (Libtayo®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Aus Sicht der AkdÄ ist ein Zusatznutzen für erwachsene Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanen Plattenepithelkarzinom, die für eine kurative Operation oder kurative Strahlentherapie nicht in Betracht kommen, nicht belegt. Den Aussagen des IQWiG bezüglich Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens wird zugestimmt.

Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.

Cemiplimab ist zugelassen als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanen Plattenepithelkarzinom, die für eine kurative Operation oder kurative Strahlentherapie nicht in Betracht kommen.

AkdÄ-Stellungnahme zu Cemiplimab (Libtayo®)
G-BA: Unterlagen zu Cemiplimab (Libtayo®)

26.11.2019

Stellungnahmen der AkdÄ zu Olaparib (neues AWG: Mammakarzinom) (Lynparza®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ sieht für Olaparib als Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn, die ein HER2-negatives, lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom haben, einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen.

Die AkdÄ folgt nicht der Bewertung des IQWiG. Die vorliegenden Daten zur Krankheitskontrolle (PFS, Ansprechrate) belegen eine Wirksamkeit von Olaparib, die sich allerdings nicht in ein längeres Überleben überträgt. Ein Überlebensvorteil für eine Subgruppe – wie vom IQWiG nach dem Merkmal „vorherige Chemotherapie des metastasierten Brustkrebses“ postuliert – ist nach Ansicht der AkdÄ nicht belegt. Der signifikante Effekt ist keineswegs als gesichert anzusehen, da ein Zufallsergebnis durchaus möglich ist, v. a. aufgrund der sehr kleinen Fallzahlen der eingeschlossenen Patienten. Zudem zeigt sich die Effektmodulation bezüglich des PFS nicht in gleicher Weise. Auch ist das Gesamtüberleben im Vergleichsarm für die mit Chemotherapie vorbehandelten Patienten länger als für die nicht mit Chemotherapie vorbehandelten, was nicht den klinischen Erwartungen entspricht. Es ist davon auszugehen, dass die OlympiAD-Studie nicht ausreichend gepowert war, um Effektunterschiede durch Subgruppenanalysen aufzudecken.

Aus Sicht der AkdÄ darf daher die Effektmodifikation bezüglich des Endpunkts Gesamtüberleben in der Subgruppenanalyse – trotz formal statistisch signifikanten Ergebnisses – bei Betrachtung der sonstigen Daten und der klinischen Plausibilität nicht in eine separate Bewertung des Zusatznutzens von Olaparib münden. Die AkdÄ stimmt dem IQWiG zu, dass Subgruppenanalysen zur Untersuchung ggf. differenzieller Effekte von Olaparib im Vergleich mit der a priori gewählten Chemotherapie (Capecitabin oder Vinorelbin oder Eribulin) wünschenswert gewesen wären, um der Frage nachzugehen, ob sich die Effekte zwischen den Therapieoptionen unterscheiden. Die Aussagekraft von Subgruppenanalysen dieser Art anhand der Daten der OlympiAD-Studie ist aber als fraglich einzustufen, da es sich im Kontrollarm um sehr kleine Patientensubgruppen handelt.

Bezüglich der Morbidität und gesundheitsbezogenen Lebensqualität lässt die eingeschränkte Datenlage jedoch keinen bzw. nur einen sehr geringen Vorteil für Olaparib erkennen. Die Vorteile von Olaparib bezüglich der Vermeidung von Nebenwirkungen beziehen sich auf schwere UE sowie auf Abbruch wegen UE. Signifikante Unterschiede bestehen bezüglich schwerer Neutropenien und schwerer Gefäßerkrankungen. Die klinische Relevanz dieser Effekte ist allerdings nicht abschließend beurteilbar, da Daten zu klinischen Effekten wie Infektionen oder Hospitalisierungen nicht vorliegen.

Nach Abwägung dieser Aspekte lässt sich aus Sicht der AkdÄ lediglich ein geringer Zusatznutzen von Olaparib ableiten, der sich nach derzeitiger Datenlage im Wesentlichen durch Effekte zu den Endpunkten der Kategorie Nebenwirkungen begründet.

Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.

Olaparib ist zugelassen bei

1.          Mammakarzinom:

als Monotherapie bei Erwachsenen mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn, die ein HER2-negatives, lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom haben. Die Patienten sollten zuvor mit einem Anthrazyklin und einem Taxan im (neo)adjuvanten oder metastasierten Setting behandelt worden sein, es sei denn, die Patienten waren für diese Behandlungen nicht geeignet. Patienten mit Hormonrezeptor(HR)-positivem Mammakarzinom sollten außerdem eine Krankheitsprogression während oder nach einer vorherigen endokrinen Therapie aufweisen oder für eine endokrine Therapie nicht geeignet sein.

2.          Ovarialkarzinom als Monotherapie für die:

Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit einem fortgeschrittenen (FIGO-Stadien III und IV) BRCA1/2-mutierten (in der Keimbahn und/oder somatisch), high-grade epithelialen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primären Peritonealkarzinom, die nach einer abgeschlossenen Platin-basierten Erstlinien-Chemotherapie ein Ansprechen (vollständig oder partiell) haben.

Erhaltungstherapie von Erwachsenen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen (vollständig oder partiell).

AkdÄ-Stellungnahme zu Olaparib (neues AWG: Mammakarzinom) (Lynparza®)
G-BA: Unterlagen zu Olaparib (neues AWG: Mammakarzinom) (Lynparza®)

 


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