Ärztliche Tätigkeit in Staaten der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR: Norwegen, Liechtenstein, Island) und der Schweiz

Europäische Union

Innerhalb der Europäischen Union regelt die Europäische  Richtlinie 2005/36/EG die gegenseitige Anerkennung der Ausbildungsnachweise für die ärztliche Grundausbildung sowie die Ausbildungsnachweise für den Facharzt. Die von den 28 Mitgliedstaaten notifizierten Bezeichnungen der ärztlichen Grundausbildung sowie der fachärztlichen Weiterbildung sind im Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG aufgeführt.

Wenn Sie in einem Land der Europäischen Union (EU) bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) eine ärztliche Grundausbildung und/oder eine vollständige Weiterbildung mit entsprechendem Abschluss anstreben, sollten Sie sich vor Weggang ins Ausland erkundigen, ob die Aus- und Weiterbildung die Mindest­anforderungen der Richtlinie 2005/36/EG erfüllen und eine EU-Konformität gegeben ist.

Ärztinnen und Ärzte mit einer abgeschlossenen ärztlichen Grundausbildung in Deutschland oder einem EU-Mitgliedsstaat können sich innerhalb der Europäischen Union bei der nationalen zuständigen Stelle im Zielstaat registrieren und die Anerkennung des Ausbildungsnachweises bzw. der Ausbildungsnachweise beantragen.

Die Anerkennung von in der EU, dem EWR sowie in der Schweiz erworbenen Abschlüssen dürfte unproblematisch sein (sogenanntes automatisches Anerkennungsverfahren im Sinne der Richtlinie 2005/36/EG), sofern die Mindestanforderungen des Artikels 24 (Ärztliche Grundausbildung) und des Artikels 25 (Fachärztliche Weiterbildung) bzw. 28 (Allgemeinmedizin) der EU-Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen erfüllt sind. Eine Konformitätsbescheinigung für die ärztliche Grundausbildung sowie für den fachärztlichen Ausbildungsnachweis wäre ggf. bei der jeweiligen nationalen zuständigen Stelle des Herkunftsstaates einzuholen.

Bei Fragen zur Anerkennung von Qualifikationen können Sie sich an die nationalen Kontaktstellen für die Richtlinie 2005/36/EG wenden. Diese finden Sie auf der Website der Europäischen Kommission.

Bei Fragen zur Registrierung, zu den Voraussetzungen für einen Antrag auf Anerkennung sowie zur Struktur des Gesundheitssystems könnten Sie sich auch an die nationale Ärztevereinigung sowie das Gesundheitsministerium des Zielstaates wenden.

Anerkennungssysteme der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG

Im Falle einer automatischen Anerkennung haben Herkunfts- und Zielland im Anhang V der Richtlinie 2005/36EG  ihre jeweiligen nationalen Bezeichnungen für die ärztliche Grundausbildung sowie die fachärztliche Weiterbildung notifiziert. Das automatische Anerkennungssystem sieht keine inhaltliche bzw. materielle Prüfung der zugrundeliegenden Aus- bzw. Weiterbildung vor.

Das allgemeine Anerkennungssystem greift nur in bestimmten Fällen (Ausbildungsnachweis wurde vor dem Stichtag ausgestellt und erworbene Rechte können nicht nachgewiesen werden; im Anhang gibt es keine Notifizierung des entsprechenden Ausbildungsnachweises; die entsprechende fachärztliche Rubrik ist in Anhang V  nicht enthalten; ein Drittstaatsdiplom wurde durch bereits in einem anderen Mitgliedstaat anerkannt mit drei Jahren Berufserfahrung nach Anerkennung, siehe Art. 3.3 der Richtlinie 2005/36/EG). 

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Zwischen der Europäischen Gemeinschaft und den EFTA Staaten entwickelte sich bereits Anfang der 70er Jahre eine enge Kooperation, und Freihandelsabkommen wurden geschlossen. Im Mai 1992 unterzeichneten die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft und der Europäischen Freihandelszone (EFTA) den Vertrag zur Gründung des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Am 01. Januar 1994 (für Liechtenstein: 1. Mai 1995) trat er in Kraft. Mit dem Vertrag über den Europäischen Wirtschaftsraum wurde diese Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage gestellt. Die Beitrittsländer haben die Regeln des EWR übernommen.

Inzwischen sind fast alle ehemaligen EFTA-Länder der EU beigetreten, und das EWR-Abkommen erstreckt sich außerhalb der EU nur noch auf Island, Liechtenstein und Norwegen.

Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind derzeit 31 Mitgliedstaaten (28 EU Mitgliedsstaaten und 3 EFTA-Staaten) vereinigt. Sie bilden den größten zusammenhängenden Binnenmarkt der Welt. Er erstreckt sich von der Arktis bis zum Mittelmeer und von Portugal bis Polen. Damit ist der freie Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr auf die EFTA-Länder ausgedehnt (mit Ausnahme der Schweiz). Die EFTA-Staaten übernahmen die Binnenmarkt-Regeln der Europäischen Union und damit alle entsprechenden notwendigen Richtlinien.

Für Liechtenstein, Norwegen, Island ist das neue EWR-Abkommen bezüglich der Richtlinie 2005/36/EG am 01.07.2009 unterzeichnet worden. Nähere Informationen  hierzu erhalten Sie auf der Website der European Free Trade Association (EFTA).

Die Schweiz nimmt nicht am EWR teil, die Schweizer Bevölkerung entschied sich per Referendum gegen einen Beitritt zum EWR.

Die Staaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR):

EU:

Belgien
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Irland
Italien

Kroatien
Lettland
Litauen
Luxemburg
Malta
Niederlande
Österreich
Polen
Portugal

Rumänien
Schweden
Slowakei
Slowenien
Spanien
Tschechische Republik
Ungarn
Vereinigtes Königreich
Zypern

 

EWR:
Island, Liechtenstein, Norwegen

 

Informationen zu den EU Mitgliedsstaaten finden Sie auf der Website der Europäischen Kommission im Europa-Portal: http://europa.eu/abc/european_countries/index_de.htm

Die Schweiz unterhält enge Beziehungen zur Europäischen Union (EU) sowohl auf politischer, wirtschaftlicher als auch kultureller Ebene. Diese Beziehungen werden durch ein Vertragswerk von bilateralen Abkommen und Vereinbarungen geregelt, die in den vergangenen Jahren zwischen der Schweiz und der EU bzw. ihren Vorgängerinnen (EWG=EG, EGKS, Euratom) abgeschlossen wurden.

Die Schweiz ist im Bereich des Freizügigkeitsrechts und der gegenseitigen Anerkennung von Berufsdiplomen an das  „Abkommen vom 21.06.1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit" [PDF] gebunden, welches am 01.06.2002 in Kraft getreten ist. Anhang III des o.g. Abkommens wurde durch die Aufnahme und Umsetzung der Richtlinie 2005/36/EG am 01.11.2011 geändert.

Im Abkommen vom 21.06.1999 (mit Stand: 01.01.2017) finden Sie auch den Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG für die Schweiz.

Der Beschluss Nr. 2/2011 des Gemischten Ausschusses EU-Schweiz vom 30.09.11 über die Änderung des Anhangs III (Gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen) wurde im Amtsblatt L 277/20 der Europäischen Union vom 22.10.2011 veröffentlicht.