Suizidprävention gibt es nicht zum Nulltarif

Institutionen der Suizidprävention zum Weltsuizidpräventionstag am 10. September 2023
Selbsttötung

„Aktiv werden und Hoffnung schaffen“ – das ist das Motto des Welttages der Suizidprävention, der seit 2003 am 10. September weltweit begangen wird. Aktiv wurde der Deutsche Bundestag. Der mit großer Mehrheit angenommene Entschließungsantrag (Drucksache 20/7630) zur Suizidprävention vom Juli 2023 ist ein Zeichen der Hoffnung.

Viele unserer Eckpunkte zur Suizidprävention sind in dem Entschließungsantrag berücksichtigt worden. Hierzu zählen besonders:

a) “Die bereits bestehenden Angebote zur Intervention bei suizidalen Krisen sollen besser unterstützt werden. Die Bundesregierung soll dazu im Rahmen der Strategie gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen ein Konzept zum Ausbau von kostenlosen, zielgruppen- spezifischen, professionellen sowie ehrenamtlichen Beratungs- und Hilfsangeboten vorlegen.
b) unter Einbeziehung bestehender Strukturen wie der Telefonseelsorge, sozial- psychiatrischer Dienste und projektfinanzierter Beratung soll ein deutschlandweiter Suizidpräventionsdienst etabliert werden, der Menschen mit Suizidgedanken wie auch ihren Angehörigen rund um die Uhr online und unter einer bundeseinheitlichen Telefonnummer einen sofortigen Kontakt mit geschulten Ansprechpartnerinnen und -partnern ermöglicht” (Suizidprävention stärken, Bundestag Drucksache 20/7630)”

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wurde zuvor beauftragt, zeitnah eine Suizidpräventionsstrategie zu erarbeiten - und ist damit aktiv geworden. Die Unterzeichner der Pressemitteilung begrüßen diese Initiative des Ministeriums. Sie betonen, dass es nicht bei Konzepten bleiben darf. Es ist an der Zeit, die Suizidprävention finanziell ausreichend auszustatten. Bewährte Angebote und Strukturen dürfen nicht aus finanziellen Gründen aufgegeben werden und eine Nationale Informations- und Koordinationsstelle zur Suizidprävention nicht an den Finanzen scheitern. Der Bundestag möge in Konsequenz seines Entschließungsantrages dafür sorgen, dass zur Umsetzung seiner Entschließung auch die benötigten Mittel zur Verfügung stehen.

Zugleich fordern die Unterzeichner eine intensive Beteiligung der Fachleute der Suizidprävention vorOrt und der langjährig in diesem Feld tätigen Organisationen an der Entwicklung, dem Aufbau und der Arbeit der Nationalen Suizidpräventionsstrategie. Diese Entwicklungsaufgabe sollte nicht an private Organisationen abgegeben werden. Besonders wichtig sind als Teil der Strategie zudem der Ausbau, die Vernetzung und die auskömmliche Finanzierung qualifizierter regionaler, niedrigschwelliger suizidpräventiver Angebote (inkl. Telefon- und Onlineangebote), auch für Hinterbliebene nach Suizid und Angehörige suizidaler Menschen. Darüber hinaus sind auch der Erhalt und der weitere Ausbau bestehender palliativer und hospizlicher Hilfen sowie Trauerbegleitungsangebote bedeutsam. Der Bund sollte hierzu zeitnah mit den Ländern kooperieren.

„Wir wünschen uns einen intensiven Dialog bei der Weiterentwicklung der Suizidprävention“, sagt Prof. Dr. Reinhard Lindner vom Nationalen Suizidpräventionsprogramm (NaSPro), „die Entwicklung einer Suizidpräventionsstrategie für Deutschland sollte fortlaufend durch diejenigen erfolgen, die die fachliche Expertise seit Jahren haben“.

Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, betont: „Bei Suizidalität läuft alles auf die Frage hinaus, ob Menschen miteinander in einer unterstützenden Beziehung einen Weg aus der Sackgasse des Suizids finden. Es gibt bereits bewährte Institutionen, in denen Menschen Beratung, Hilfe und Unterstützung in suizidalen Krisen finden. Diese Angebote müssen flächendeckend und nachhaltig gefördert werden, sonst werden die vorgesehenen bundesweit organisierten Kampagnen zur Suizidprävention ins Leere laufen“.

Dr. Stefan Schumacher, Beauftragter für die Suizidprävention der TelefonSeelsorge Deutschland, erhofft sich eine Verbesserung der Erreichbarkeit in Krisensituationen: „Wir können statistisch sehen, dass Menschen in suizidalen Krisen nicht immer schnell genug Kontakt zu einer Hotline oder ein Onlineangebot erhalten, weil die Kapazitäten nicht ausreichen. Eine bundesweite Koordinierungsstelle kann strukturell und finanziell bestehende Initiativen darin unterstützen, ihre Netzwerke zu stärken, zu erweitern und die niederschwellige Erreichbarkeit zu verbessern.”