Saarland12.09.2021

Saarland: "Pikst kurz, schützt lang" – Impfen kann auch gegen Krebs schützen

Saarbrücken - Die Nationale Krebspräventionswoche, die am kommenden Montag beginnt, legt in diesem Jahr den Fokus auf die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Fast 8.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an HPV (Humane Papillomviren) -bedingtem Krebs, der die Gebärmutter, aber auch zum Beispiel den Penis oder den Mund-Rachen-Raum betreffen kann. Bereits seit 2006 gibt es in Deutschland eine Impfung, die vor HPV-Infektionen schützt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit Juni 2018 diese Impfung nicht nur für Mädchen von 9 bis 14 Jahren, sondern auch für alle Jungen in diesem Alter.

„Obwohl Impfungen die einfachsten Möglichkeiten sind, hier das persönliche Krebsrisiko zu senken, ist die HPV-Impfrate in Deutschland denkbar niedrig“, sagt Kammerpräsident Sanitätsrat Dr. Josef Mischo. Weniger als 50 Prozent der Mädchen und nur ein winzig geringer Anteil an Jungen in Deutschland seien gegen HPV geimpft. Die Quote variiert von Bundesland zu Bundesland sehr stark. Sie war z.B. am niedrigsten mit 34,1% in Baden-Württemberg und am höchsten mit 63,1% in Sachsen-Anhalt. Im Saarland lag der Wert (15-jährige Mädchen, Jahrgang 2003*) bei 46,7 %.

„Ähnlich wie bei Covid-19 ist auch bei HPV eine hohe Impfquote erforderlich (hier ca.80 %), um die gesamte präventive Wirkungsmöglichkeit der Impfung auszunutzen“, sagt Dr. Mischo. Diese Herdenimmunität würde z.B. in den skandinavischen Ländern und Australien erreicht. Dort seien bis zu 90 Prozent der Zielgruppe geimpft, was u.a. an Schulimpfungen läge. In Deutschland müsse es insgesamt zudem mehr Informationen über und mehr Werbung für die Impfung geben.

Impfung gegen Krebsgefahr auch durch Hepatitis B

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit, die Hepatitis B, eine Leberentzündung. Übertragen wird HBV durch intime Kontakte, aber auch durch infiziertes Blut oder Blutprodukte. Das Virus ist wesentlich an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt. Menschen, die an einer chronischen Infektion mit HBV leiden, haben ein 100-fach höheres Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, als nicht infizierte Personen. Eine Hepatitis-B-Infektion gilt auch als möglicher Risikofaktor für Krebs der Gallenwege innerhalb der Leber.

Schon seit 1995 empfiehlt die STIKO die Hepatitis-B-Schutzimpfung als Grundimmunisierung bereits im Säuglings- und Kleinkindalter. Denn während es bei 10 Prozent der erkrankten Erwachsenen zu einem chronischen Krankheitsverlauf kommt, liegt der Anteil bei einer Erkrankung im Säuglings- und Kindesalter bei bis zu 90 Prozent. Die Immunisierung bei Kindern und Jugendlichen sollte möglichst vor der Pubertät erfolgen, spätestens aber bis zum 18. Lebensjahr. Darüber hinaus sollen Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko geimpft werden, zum Beispiel Personen, die im medizinischen Bereich tätig sind, oder Reisende in entsprechende Risikogebiete.

Weitere Informationen zur Krebspräventionswoche (Deutsche Krebshilfe, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutsche Krebsgesellschaft (DKG): https://www.dkfz.de/de/nationale-krebspraeventionswoche/index.html

*(RKI): Epidemiologisches Bulletin 32/33 | 2020

www.aerztekammer-saarland.de