Elektronischer Heilberufsausweis

Instrument zur digitalen Gesundheitsversorgung

Zahlreiche digitale Anwendungen der Patientenversorgung stehen vor der Tür oder sind bereits eingeführt. Um diese Anwendungen nutzen zu können, benötigen die Nutzer einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA); das heißt eine personenbezogene Chipkarte im Scheckkarten-Format. Die Ausprägung des elektronischen Heilberufsausweis für Ärztinnen und Ärzte heißt auch elektronischer Arztausweis. Im Vergleich zu allen anderen elektronischen Heilberufsausweisen verfügt der elektronische Arztausweis über die umfassendsten Zugriffsrechte und Möglichkeiten. Der eHBA wird im Gesundheitswesen zunehmend eine zentrale Rolle spielen, denn er ist das Instrument, das seinem Inhaber die Zugehörigkeit zur Berufsgruppe „Ärztin/Arzt“ in der digitalen Welt attestiert und seine Identität bestätigt. Dies ist notwendig, da in der digitalen Welt sichergestellt sein muss, dass bspw. der Kommunikationspartner derjenige ist, der er vorgibt zu sein und nachweisbar die Berechtigung zur Ausübung des Arztberufes hat.

Drei digitale Anwendungen der Telematikinfrastruktur sollen einer besseren ärztlichen Information und Kommunikation dienen:

Für die Nutzung dieser medizinischen Anwendungen macht der Gesetzgeber eine grundsätzliche Vorgabe: den elektronischen Heilberufsausweis. Damit wird sichergestellt, dass nur berechtigte Personen bzw. Berufsgruppen auf die medizinischen Daten des Versicherten zugreifen können. Diese medizinischen Anwendungen – NFDM, eMP und KIM – sind in den Praxis-IT-Systemen im Zusammenspiel mit dem Konnektor bereits nutzbar.

Eine weitere Anwendung, die ab Oktober 2021 bundesweit eingeführt wurde, ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Diese Anwendung ändert das Verfahren der Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Die Zuleitung an die Krankenkasse übernimmt nicht mehr der Versicherte selbst, sondern der ausstellende Arzt. Er übermittelt über die Telematikinfrastruktur die eAU, die mit dem elektronischen Arztausweis elektronisch signiert wird, an die zuständige Krankenkasse. Die Übermittlung findet mittels KIM statt. In der ersten Stufe der Umsetzung erhält der Versicherte auch weiterhin eine AU als Papierausdruck, den er an seinen Arbeitgeber weiterreicht. In einer Folgestufe wird auch diese Übermittlung elektronisch erfolgen. Dieses neue Verfahren gilt auch für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die im Zuge des Entlassmanagements durch stationär tätige Ärztinnen und Ärzte ausgestellt werden.

Darüber hinaus soll ab 01.01.2022 bundesweit das eRezept eingeführt werden. Auch hierfür ist zwingend die qualifizierte elektronische Signatur des ausstellenden Arztes notwendig.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist es Ärztinnen und Ärzten, die im ambulanten und stationären Bereich Patienten versorgen, zu empfehlen, rechtzeitig einen eHBA zu beantragen. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag: „Beantragung eines elektronischen Arztausweises“ Der elektronische Arztausweis verfügt über viele Funktionen, die Ärztinnen und Ärzte bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen Insbesondere ist dies die qualifizierte elektronische Signatur (QES), mit der medizinische Dokumente (z. B. elektronische Arztbriefe) rechtsgültig elektronisch unterschrieben werden können. Die QES ist rechtlich der eigenhändigen Unterschrift auf Papier gleichgestellt.

Kernfunktionalitäten des eHBA

Sichtausweis

Wie sein klassischer Vorgänger – der Arztausweis aus Papier – dient er zusammen mit dem amtlichen Lichtbildausweis als Sichtausweis, bspw. um in einer Apotheke verschreibungspflichtige Medikamente zu erwerben.

Signatur

Der Inhaber kann mit dem eHBA eine QES erstellen. Diese QES ist der eigenhändigen Unterschrift rechtlich gleichgestellt. Mit ihr können eine Vielzahl an Dokumenten rechtssicher und medienbruchfrei elektronisch unterschrieben werden, so z. B.

  • Arztbriefe,
  • Abrechnungsunterlagen für die Kassenärztliche Vereinigung,
  • Notfalldaten der elektronischen Gesundheitskarte,
  • eRezepte oder
  •  eAU.

Die QES wird mittels der Eingabe einer selbst vergebenen, mindestens 6-stelligen PIN ausgelöst. Mittels der sog. Stapelsignatur können mit einer PIN-Eingabe auch mehrere Signaturen ausgelöst werden. Bei der so genannten Komfortsignatur muss nur einmal die PIN eingegeben werden. Anschließend können durch ein so genanntes auslösendes Merkmal (z. B. Doppel-Click am Praxisverwaltungssystem) weitere Signaturen ausgelöst werden.

Authentifizierung

Mit dem eHBA ist es möglich, sich in der elektronischen Welt sicher als „Ärztin/Arzt“ auszuweisen, z. B. an Portalen von Kammern oder Arztnetzen oder in der Telematikinfrastruktur. Unsichere Anmeldeverfahren können ersetzt und auf ein höheres Sicherheitsniveau angehoben werden. Diese Funktionalität ist der Kern für den späteren Zugriff auf die elektronischen Patientenakten (ePA).

Vertraulichkeit

Der eHBA ist in der Lage, medizinische Daten sicher zu ver- und entschlüsseln. Damit steigt das Datenschutz- und Sicherheitsniveau bei der Übertragung personenbezogener medizinischer Daten oder bei vertraulichen Informationen deutlich.

eGK-Zugriff

Mit dem eHBA kann auf medizinische Daten zugegriffen werden, die direkt auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) des Patienten abgespeichert sind wie bspw. „Notfalldaten“ und „elektronischer Medikationsplan“.

Der elektronische Heilberufsausweis ist also zukünftig integraler Bestandteil der ärztlichen Berufsausübung.

Der eHBA ist für den Antragsteller kostenpflichtig. Die Preise unterschieden sich von Anbieter zu Anbieter. Aktuell liegen die monatlichen Kosten bei ca. 8,00 €, die für Kassenärzte hälftig seitens ihrer Kassenärztlichen Vereinigung erstattet werden. Aber auch im stationären Bereich existieren Krankenhausindividuelle Refinanzierungsregeln.


Überblick: Kommunikation im Medizinwesen

Kommunikation im Medizinwesen (KIM) basiert auf einem sicheren E-Mail-Verfahren und sorgt für den abgesicherten Austausch von sensiblen Informationen wie Befunden, Bescheiden, Abrechnungen oder Röntgenbildern über die Telematikinfrastruktur zwischen verschiedenen Ärzten bzw. mit Apothekern. Nachrichten und Dokumente können künftig schnell, zuverlässig per KIM – mit oder ohne Anhang – ausgetauscht werden. KIM bringt folgende Vorteile:

Vertraulichkeit der Nachrichten: Hardwarebasierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung macht ein unberechtigtes Mitlesen unmöglich. Sensible Daten können immer nur von demjenigen gelesen werden, für den sie gedacht sind.

Fälschungssicher: KIM-Nachrichten können nicht unbemerkt manipuliert werden. Die Empfänger erkennen immer, ob sie die E-Mail so erhalten haben, wie sie der Absender auch verschickt hat.

Geprüfte Identität: Empfänger einer Nachricht können immer sicher sein: Wer als Absender draufsteht, ist auch der Absender der Nachricht. Die Identitäten der KIM-Teilnehmer sind geprüft und bestätigt.

Schnelle Auffindbarkeit: Alle KIM-Teilnehmer, Personen aber auch Institutionen wie Arztpraxen, sind über ein zentrales Adressbuch - dem Verzeichnisdienst - auffindbar. Es entfällt ein umständliches und fehleranfälliges Austauschen von E-Mail-Adressen oder öffentlichen Schlüsseln für die Verschlüsselung.

Abrechenbarkeit: KIM ist das sichere Übermittlungsverfahren nach § 311 Abs. 6 SGB V und dadurch die Basis für eine mögliche Vergütung.

Der eHBA wird für die Signatur, bspw. eines angehängten Arztbriefes oder für die eAU, genutzt. Ebenfalls kann die Nachricht für eine empfangende Person (respektive deren eHBA) oder für eine empfangende Institution (respektive deren SMC-B (Praxisausweis)) verschlüsselt werden.