Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus

Zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und der Bundeszahnärztekammer schreibt die Bundesärztekammer seit 2006 den Forschungspreis „Aufarbeitung der Geschichte der Ärztinnen und Ärzte in der Zeit des Nationalsozialismus“ aus.

An der Ausschreibung des Herbert-Lewin-Preises können Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Einzelpersonen, Kooperationen

oder Gemeinschaften von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Studierende der Humanmedizin oder medizinhistorischen Instituten tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilnehmen.

Die Bewertung der eingereichten Arbeiten und die Ermittlung der Preisträger werden von einer unabhängigen Jury vorgenommen. Der Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert und kann von der Jury auf mehrere verschiedene Arbeiten aufgeteilt werden.

  • Forschungspreis 2021

    Berlin, 23.11.2021

    Zum achten Mal wird heute in Berlin der Herbert-Lewin-Preis zur Aufarbeitung der Geschichte der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus verliehen. Mit dem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), der Bundesärztekammer (BÄK), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) ausgeschriebenen Forschungspreis wurde die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit eines Kinderarztes und einer Biochemikerin prämiert.

    Den Preis verlieh die Jury für die Arbeit von Dr. Stephan Heinrich Nolte und Dr. Vera Trnka mit dem Titel „In den Grauzonen der Geschichte – der Prager Kinderarzt Berthold Epstein (1890-1962).“

    Die preisgekrönte Darstellung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem niedergelassenen deutschen Kinderarzt Stephan Heinrich Nolte und der tschechischen Biochemikerin und Zeitzeugin Vera Trnka, die als Kind von Shoa-Überlebenden 1946 in Prag geboren wurde.

    Es handelt sich um eine ungewöhnliche Lebensgeschichte des Pädiaters Berthold Epstein, der in Auschwitz als Häftlingsarzt überlebte und nach der Befreiung in Prag praktizierte.

    Dieses vorbildliche Gemeinschaftswerk liefert laut Jury gleichzeitig ein eindrucksvolles Beispiel für die deutsch-tschechisch-jüdische Verständigung in der Gegenwart. Die Arbeit sei zudem gut dokumentiert und illustriert, anrührend und spannend geschrieben.

    Außerdem werfe die Darstellung ein bezeichnendes Licht auf die schwierige Situation und die weitere Anfeindung jüdischer Ärzte nach dem Nationalsozialismus in Osteuropa, wie am Beispiel der Tschechoslowakei gezeigt werde.

    Zudem lobt die Jury die in deutscher und englischer Sprache erschienene jüdische Miniatur über das Leben der Kinderärztin Lucie Adelsberger von Benjamin Kuntz, die von großem Engagement für das Schicksal jüdischer Ärztinnen und Ärzte im Nationalsozialismus zeuge und auch Anstoß gegeben habe für weiteres Gedenken.

    Ziel des Herbert-Lewin-Preises ist neben der Förderung der historischen Aufarbeitung der Rolle der Ärzteschaft im Dritten Reich auch die Erinnerung an engagierte Ärztinnen und Ärzte und Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

    Zugleich soll das Interesse nachfolgender Generationen für die Aufarbeitung der Vergangenheit geweckt werden. Die Preisträger werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, deren Mitglieder von den Trägerorganisationen und dem Zentralrat der Juden in Deutschland benannt wurden.


  • Forschungspreis 2019

    Berlin, 27.11.2019

    Am 27.11.2019 wurde zum siebten Mal in Berlin der Herbert-Lewin-Preis zur Aufarbeitung der Geschichte der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus verliehen. Mit dem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), der Bundesärztekammer (BÄK), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) ausgeschriebenen Forschungspreis wurden drei wissenschaftliche Arbeiten prämiert.

    Den ersten Platz vergab die Jury für die Arbeit von Dr. Susanne Doetz und  Dr. Christoph Kopke mit dem Titel „und dürfen das Krankenhaus nicht mehr betreten“. Die Arbeit befasst sich mit dem Ausschluss jüdischer und politisch unerwünschter Ärztinnen und Ärzte aus dem städtischen Gesundheitswesen in Berlin in den Jahren 1933 bis 1945.

    Die Autoren haben nach Ansicht der Jury mit ihrer Untersuchung Neuland betreten, indem sie vollständig und systematisch die Entlassung und Vertreibung rassisch verfolgter und politisch missliebiger Ärzte aus dem öffentlichen Gesundheitswesen in der deutschen Großstadt nachgezeichnet hätten.

    Die Arbeit besteche durch einen umfangreichen biografischen Teil und den systematischen Nachweis aller entlassenen Ärztinnen und Ärzte. Damit lege sie die Grundlage für weitergehende Forschungen zur frühen Dynamik nationalsozialistischer Vertreibungs- und Vernichtungspolitik und liefere ein Modell für die Aufarbeitung der Geschichte des öffentlichen Gesundheitswesens anderer Großstädte.

    Die Plätze zwei und drei gingen an Dr. Doris Fischer-Radizi für ihre Arbeit „Vertrieben aus Hamburg“ über die Ärztin Rahel Liebeschütz-Plaut und an Dr. Mathias Schütz für seine Arbeit „Vier Ermittlungen und ein Verdienstkreuz“ zu den Medizinverbrechen des Hygienikers Hermann Eyer während der NS-Zeit.

    Lobend erwähnte die Preiskommission zudem die von Prof. Dr. Hubert Steinke in der Schweiz betreute Arbeit von Dr. Johann Faltum über die Zwangsterilisation in Lörrach.

    Ziel des Herbert-Lewin-Preises ist neben der Förderung der historischen Aufarbeitung der Rolle der Ärzteschaft im Dritten Reich auch die Erinnerung an engagierte Ärztinnen und Ärzte und Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

    Zugleich soll das Interesse nachfolgender Generationen für die Aufarbeitung der Vergangenheit geweckt werden.

     

  • Forschungspreis 2017

    Berlin, 22.11.2017

    Der Herbert-Lewin-Preis wurde heute für zwei wissenschaftliche Arbeiten zur „Aufarbeitung der Geschichte der Ärztinnen und Ärzte in der Zeit des Nationalsozialismus“ verliehen. Der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesärztekammer (BÄK), Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) gestiftete Forschungspreis wurde zum sechsten Mal vergeben.

    Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbandes Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland sowie aus Vertretern der auslobenden Organisationen zusammensetzt, verwies darauf, dass die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit nicht nur aus moralischer und ethischer Sicht geboten sei, sondern auch aktuelle ethische Fragestellungen anrege.

    Aus elf eingereichten wissenschaftlichen Arbeiten zeichnete die Jury zwei erste Preise aus, die mit jeweils 7.500 Euro dotiert sind:

    • Dr. med. Ulrike Eisenberg, Prof. Dr. med. Hartmut Collmann, Dr. med. Daniel Dubinski: Verraten – Vertrieben – Vergessen. Werk und Schicksal nach 1933 verfolgter deutscher Hirnchirurgen.
    • Frau Dr. med. Jessica Tannenbaum: Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938 – 1945. Biographische Annäherung an Täter, Opfer und Tatbestände.

    An der Ausschreibung des Forschungspreises konnten (Zahn-)Ärztinnen und (Zahn-)Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Einzelpersonen, in Kooperationen oder in Gemeinschaften teilnehmen.

    Die Ausschreibung richtete sich zudem an Studierende der Zahn- oder Humanmedizin oder an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an medizinhistorischen Instituten tätig sind.

    Ziel des Preises ist die historische Aufarbeitung, aber auch die Erinnerung an engagierte Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.


  • Forschungspreis 2015

    Berlin, 20.11.2015

    Welche Rolle spielten die ärztlichen Standesvertretungen und ihre führenden Vertreter in der Zeit des Nationalsozialismus und wie sahen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die ärztliche Berufsausübung aus? Diese und weitere Fragen beantwortete Dr. Gisela Tascher in ihrer Dissertation über das Zusammenspiel von Staat, Macht und ärztlicher Berufsausübung am Beispiel des Saarlandes.

    Die Dissertation wurde heute als beste Arbeit mit dem Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ausgezeichnet. Dabei hatte die Jury besonders beeindruckt, dass Tascher die Entwicklungen nach 1945 nicht ausgespart hat.

    Der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) gestiftete und mit insgesamt 12.500 Euro dotierte Herbert-Lewin-Forschungspreis wird in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben.

    Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbandes Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland, sowie aus Vertretern der auslobenden Organisationen zusammensetzt, hob ausdrücklich die exzellente Qualität und große Themenvielfalt der 32 eingereichten Arbeiten hervor. Dies zeige erneut die Notwendigkeit, das Themenfeld weiter aufzuarbeiten.

    Den zweiten Preis teilen sich Dr. Sascha Topp und Dr. Bernd Höffken. Topp erforschte in seiner Studie die nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen. Er ging der Frage nach, wie diese Verbrechen historiografisch dargestellt und damit Teil der Erinnerungskultur wurden.

    Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Ärzteschaft und die Entwicklung der Ethik in der Medizin in der Bundesrepublik Deutschland. Die Untersuchung überzeugte die Jury durch die stringente Argumentation. Sie trage dazu bei, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus als Teil der Erinnerungskultur zu sehen.

    Höffken untersuchte in seinem Buch die Schicksale und Lebensdaten von 133 jüdischen Ärzten in Nürnberg – der Stadt der Reichsparteitage – und beeindruckte die Jury mit seiner Akribie und wissenschaftlichen Gründlichkeit. Der Autor zeichne die bewegenden Schicksale der Ärzte, ihrer Frauen und Kinder nach.

    Er setze damit allen damals ausgegrenzten, verfolgten oder ermordeten Ärzten aus Nürnberg ein bleibendes Denkmal.

    An der Ausschreibung des Forschungspreises konnten Zahn-/Ärztinnen und Zahn-/Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Einzelpersonen, in Kooperationen oder in Gemeinschaften teilnehmen.

    Die Ausschreibung richtete sich zudem an Studierende der Zahn- oder Humanmedizin oder an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an medizinhistorischen Instituten tätig sind.


  • Forschungspreis 2013

    Berlin, 15.11.2013

    Auch wenn die Mitschuld der Ärzte an den Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte wissenschaftlich untersucht  wurde, ist die Rolle der Ärzteschaft im Dritten Reich bei weitem noch nicht ausreichend aufgearbeitet worden.

    Deshalb verleihen die Bundesärztekammer (BÄK), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nunmehr zum vierten Mal den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Forschungspreis für wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte der Ärzte während der NS-Diktatur.

    Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbandes Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland, der BÄK und der KBV sowie einem vom BMG benannten Vertreter zusammensetzt, vergab zwei Hauptpreise und zwei Sonderpreise.

    Sie würdigte ausdrücklich die ausgezeichnete Qualität der eingereichten Arbeiten und deren weitgefächerte Themen- sowie Methodenvielfalt, die ein breites Spektrum von der Alltags- bis zur Institutionengeschichte abdecke.

    So widmet sich die mit dem diesjährigen Forschungspreis ausgezeichnete Dissertation von Dr. Karl-Werner Ratschko der Rolle der Medizinischen Fakultät in Kiel während der NS-Zeit.

    Die Stärke der wissenschaftlichen Untersuchung sei die detailgenaue Beschreibung, wie eine Fakultät von nationalsozialistischer Propaganda durchdrungen und zu deren Instrument wurde. Die Arbeit besäße einen hohen Multiplikationsfaktor, andere Hochschulen zu inspirieren, ihre Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls aufzuarbeiten, so die Jury.

    Neben der Dissertation von Dr. Ratschko wurden drei weitere Arbeiten ausgezeichnet. Bei dem von Matthis Krischel, (Friedrich Moll, Julia Bellmann, Albrecht Scholz (†), Dirk Schultheis) vorgelegten Doppelband zur Fachgeschichte der Urologie in Deutschland und Österreich im Nationalsozialismus hob die Jury die Mischung aus biographischen Kurzdarstellungen und exemplarischen Lebensbildern von Opfern und Tätern hervor.

    Zudem sei der Versuch unternommen worden, die Entwicklung des Fachs Urologie und Medizin des Nationalsozialismus zusammenzubringen. Ziel sei es gewesen, die Auswirkungen von Vertreibung, Emigration, Anpassung und Selbstindienstnahme mit Fokus auf die den nationalsozialistischen Interessen angepasste Schwerpunktsetzung des Fachgebietes, wie Eugenik und Sterilisation, zu beschreiben.

    Dr. Ruth Jacob erhielt für ihre Arbeit über jüdische Ärzte in Schöneberg einen Sonderpreis der Jury. Die von ihr konzipierte Wanderausstellung dokumentiere anhand eines bestimmten Stadtviertels, eine „Topographie der Vertreibung“, die auch andere Städte dazu motivieren sollte, eine historische Aufarbeitung ihres Medizinalwesens in der Zeit des Nationalsozialismus zu beginnen.

    Der zweite Sonderpreis ging an Sigrid Falkenstein (unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. Frank Schneider), die in ihrer monografischen Arbeit den Spuren der im Zuge der T-4 Aktion ermordeten Anna folgt. Die Jury lobt die als Briefroman konzipierte Arbeit als originell, da sie die Konsequenzen geistiger Behinderung in der Zeit des Nationalsozialismus nachzeichne.

    Besondere Erwähnung der Jury fanden zudem zwei Forschungsarbeiten wegen ihrer interessanten Themensetzung. Die Dissertation von Dr. Katrin Günther über die Behandlung von Soldaten und Zivilisten in der Marburger Universitäts-Nervenklinik ziele auf den sozialhistorischen Hintergrund und die Rekonstruktion von Diagnose, Therapie sowie Umgang mit Patienten im Alltag unter Kriegsbedingungen.

    Ebenfalls bemerkenswert fand die Jury die Auftragsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Die Untersuchung habe sich intensiv mit deren Präsidenten in der Zeit von 1933 bis 1945 auseinandergesetzt und habe bewiesen, dass ein Aufarbeitungsprozess der eigenen Fachgesellschaft mit ihrer Geschichte im Nationalsozialismus weiterhin eine wichtige Aufgabe sei, um gegen das Vergessen und eine Verharmlosung der Taten der Akteure anzutreten.


  • Forschungspreis 2011

    Berlin, 23.03.2011

    Bei jungen Ärztinnen und Ärzten Interesse für das Thema Medizin und Nationalsozialismus wecken – das ist eines der Hauptziele des Forschungspreises zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Die mit dem diesjährigen Forschungspreis ausgezeichnete Dissertation von Susanne Rueß, in der sie anhand von Einzelschicksalen das an jüdischen Ärzten begangene Unrecht in der NS-Diktatur – und auch noch nach 1945 – beschreibt, erfüllt diese Vorgabe nach Meinung der Jury in vorbildlicher Weise.

    Die Arbeit der Stuttgarter Ärztin sei nicht nur ein herausragendes Gedenkbuch, das die Opfer aus der Anonymität heraushole. Es sensibilisiere auch die nachwachsende Ärztegeneration dafür, dass Zivilcourage möglich und ein bleibendes Thema ärztlicher Ethik sei.

    Neben Rueß erhalten drei weitere geschichtswissenschaftliche Arbeiten in diesem Jahr den Forschungspreis, der vom Bundesgesundheitsministerium (BMG), der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nunmehr zum dritten Mal verliehen wurde. Er ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

    Die Preisträger werden am heutigen Abend im Rahmen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der während des „Dritten Reichs“ von Ärzten begangenen Verbrechen geehrt. Die Verleihung findet im Beisein von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler in der Neuen Synagoge – Centrum Judaicum in Berlin statt.

    Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbandes Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland sowie aus Vertretern des BMG, der BÄK und der KBV zusammensetzte, vergab drei Hauptpreise und einen Sonderpreis.

    Sie würdigte ausdrücklich die große Zahl der eingereichten Arbeiten sowie deren hohe Qualität und Forschungstiefe. Erfreulich sei auch der hohe Anteil an medizinischen Dissertationen, die deutlich das gestiegene Interesse an der Aufarbeitung des Themas „Medizin und Nationalsozialismus“ zeige. In diesem Jahr haben vor allem Arbeiten, die sich mit dem Schicksal jüdischer Ärztinnen und Ärzte auseinandersetzten und dabei auch die Frage der „Wiedergutmachung“ nicht ausklammerten, die Juroren beeindruckt.

    In den beiden aus einem Forschungsprojekt von Rebecca Schwoch entstandenen Monografien würden die Strukturen der Verfolgung jüdischer niedergelassener Ärzte sowie die Kontinuitäten und Brüche im Denken und Handeln der organisierten Ärzteschaft in Berlin vorbildlich dargestellt. Erstmals seien für die Zeit des Dritten Reiches die Täterseite und die Motive des verwerflichen Handels einer Kassenärztlichen Vereinigung in ihren verschiedenen Fassetten als Fallstudie aufgearbeitet worden.

    „Die Arbeit macht auf den weiteren Forschungsbedarf aufmerksam und motiviert zu weiteren regionalen Studien“, heißt es in der Begründung der Jury. Das besondere an der von Anna von Villiez eingereichten Lokalstudie zum Schicksal jüdischer Ärzte in Hamburg während der NS-Zeit sei die Berücksichtigung sowohl der niedergelassenen als auch der klinisch tätigen Ärzte.

    Zudem werde in der Arbeit die Rolle der Gesundheitsverwaltung und der medizinischen Fakultäten bei der Ausgrenzung jüdischer Ärzte klar herausgearbeitet und so ein Gesamtbild der an der Verfolgung beteiligten Institutionen sowie von den Tätern und deren Motiven gezeichnet. Die Arbeiten von Rebecca Schwoch und Anna von Villiez verdeutlichten darüber hinaus, was Forschung erreichen könne, „wenn solche Projekte die tatkräftige materielle und ideelle Unterstützung einer ärztlichen Institution erhalten“, bekräftigte die Jury

    Mit dem Sonderpreis zeichneten die Juroren das beispielhafte Bemühen von Hansjörg Ebell zum 70. Jahrestag des Approbationsentzugs aller jüdischen Ärztinnen und Ärzte aus, die Erinnerung an deren Ausgrenzung mit einem Ausstellungsprojekt wach zu halten. Gerade durch eine überzeugende mediale Gestaltung werde auch das Interesse der jüngeren Generation für das Thema geweckt.

    Die Jury hob hervor, dass die Wanderausstellung bereits an verschiedenen Orten gezeigt wurde und damit eine breite Öffentlichkeit erreicht werden konnte. Die Ausstellung ist vom 24. März bis zum 29. April 2011 im Haus der Bundesärztekammer in Berlin-Tiergarten zu besichtigen.

     

  • Forschungspreis 2008

    Berlin, 29.10.2008

    Vier wissenschaftliche Arbeiten erhalten dieses Jahr den Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Jury gab die Preisträger heute in Berlin bekannt. Den Forschungspreis haben das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zum zweiten Mal ausgeschrieben. Er ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

    Die Preisträger werden im Rahmen einer Gedenkveranstaltung für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Ärzte Berlins geehrt. Die Verleihung findet am 5. November in der Neuen Synagoge in Berlin statt.

    Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbands jüdischer Ärzte in Deutschland sowie der BÄK, des BMG und der KBV zusammensetzte, vergab drei Hauptpreise und einen Sonderpreis.

    Sie würdigte ausdrücklich das breite Spektrum der eingereichten Arbeiten. Der hohe Anteil an Dissertationen lasse erwarten, dass sich gerade die junge Generation verstärkt der Aufarbeitung der Vergangenheit zuwenden wird, so die Hoffnung der Juroren.

    So schließe Barbara Huber mit ihrer Dissertation zur Biografie des SS-Zahnarztes Dr. Willy Frank eine wichtige Forschungslücke. Die Arbeit, die auch die berufliche Karriere Franks nach 1945 einschließt, zeige, dass es für die Täter durchaus Handlungsspielräume gegeben habe, die jedoch wegen persönlicher Vorteilsnahme nicht ausgeschöpft wurden, urteilte die Jury.

    Die Gemeinschaftsarbeit von Gerrit Hohendorf, Petra Fuchs, Maike Rotzoll, Ulrich Müller und Paul Richter widmet sich anhand der Lebensgeschichten von Euthanasie-Opfern dem Vergessen als Teil der Vernichtung selbst. „Diese Pionierarbeit“, heißt es in der Begründung der Jury, „reißt die Opfer aus ihrer Anonymität heraus und gibt ihnen durch die Erinnerung an ihr individuelles Schicksal ihre Würde zurück.“

    Ausgezeichnet wurde auch eine Arbeit, die erstmals die Rolle einer führenden Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens – des Robert Koch-Instituts – im Nationalsozialismus thematisiert. Der Autorin Annette Hinz-Wessels bescheinigte die Jury, das Ausmaß der Mitwirkung des Instituts an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit umfassend dargestellt zu haben.

    Der Sonderpreis ging an Jasmin Beatrix Mattes. Ihre Dissertation widmet sich den Stationsbenennungen des Klinikums der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit großen Namen der Medizin.  Vor dem Hintergrund der jeweiligen Biografien stellt sie die Erinnerungskultur der Gegenwart infrage.

     

  • Forschungspreis 2006

    Berlin, 27.12.2006

    Die Jury hat entschieden: Der Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus geht gleichberechtigt an Ralf Forsbach, Lorenz Peter Johannsen und Winfried Süß.

    Dazu erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Die Spuren der Ärztinnen und Ärzte jüdischen Glaubens sichtbar zu machen, ihr unfassbares Leid zu belegen, die Vergangenheit erfahrbar und für die Zukunft nutzbar zu machen, dazu dient der ‚Preis für wissenschaftliche Arbeiten zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus’, den die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und das Bundesgesundheitsministerium ausgeschrieben haben. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Vergangenheit ist notwendig. Sie muss dazu dienen, im heutigen Alltag sensibel und hellhörig zu bleiben. Die große Zahl und das breite Spektrum der eingereichten Arbeiten zeigen, wie viel Forschungsarbeit gerade in der jüngeren Vergangenheit geleistet wurde, um das Schicksal der jüdischen Ärzte, aber auch anderer Opfer sowie die Täterrolle deutscher Ärzte im Nationalsozialismus zu beleuchten. Umso erfreulicher ist die hohe Qualität nicht nur der prämierten Arbeiten, die wichtige Aspekte aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“

    Forsbach hatte das von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Bundesärztekammer (BÄK) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) besetzte Komitee mit seiner Arbeit „Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im ‚Dritten Reich’“ überzeugt. Er gewann in der Disziplin Institutionengeschichte.

    Johannsen schrieb über den „Kinderarzt Karl Leven. Lebensspur – Todesspur“ in der Kategorie Einzelschicksale. Die Studie von Süß trägt den Titel „Der ‚Volkskörper’ im Krieg. Gesundheitspolitik, Gesundheitsverhältnisse und Krankenmord im nationalsozialistischen Deutschland 1939 – 1945“ und erhielt den Preis in der Kategorie Innovation/Originalität.

    Mehr als 50 Arbeiten waren bei der Jury eingegangen. Diese zeigte sich überrascht von der Menge und hocherfreut über die Qualität. Daher entschied sie sich, den Preis gleich in drei Kategorien zu vergeben. Sie lobte bei Forsbach die „enorme Leistung einer einzelnen Person“ und die Systematik.

    Die Arbeit gebe einen guten Überblick über die Vorgeschichte und die Inhalte der Maßnahmen im Nationalsozialismus, über die Verstrickung und Betroffenheit der handelnden Personen sowie über Kontinuitäten und Brüche nach 1945.

    An Johannsens Biographie gefiel dem Komitee besonders die gute Recherche. Der Kinderarzt Leven würde stellvertretend für Tausende Kollegen der Vergessenheit entrissen. Die Arbeit von Süß wiederum enthalte Antworten auf viele zuvor offene medizinhistorische Fragen, unter anderem weil sie Auskunft über die Gesundheitsversorgung im Zweiten Weltkrieg gebe.

    Darüber hinaus erkannte das Gremium Sonderpreise zu. Der erste geht an Beatrice Moreno et al. für die Arbeit „Tele-Tutor Medizin im Nationalsozialismus“, der zweite an Sven Eppinger für „Das Schicksal der jüdischen Dermatologen Deutschlands in der Zeit des Nationalsozialismus“.

    Die Jury will mit der Vergabe der zusätzlichen Auszeichnungen Medizinstudenten dazu motivieren, sich mit der Rolle der Ärzteschaft im Dritten Reich auseinander zu setzen. Die Hauptpreise sind jeweils mit 3.000 Euro, die Sonderpreise mit 500 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet im kommenden Jahr statt.

    Zur Jury gehörten: Prof. Dr. phil. Robert Jütte, Prof. Dr. med. Leo Latasch, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, Prof. Dr. med. Dr. phil. Heinz Schott und Dr. med. Roman Skoblo.