BÄK-Vize Lundershausen: „Wir brauchen keine klugen Ratschläge von Menschen, die pünktlich Feierabend machen können“

Gesundheitspolitik

Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Ellen Lundershausen, hat den Appell des Deutschen Städtetages scharf zurückgewiesen, Praxen auch nach Feierabend und an den Wochenenden offen zu halten. Städtetagspräsident Helmut Dedy hat seinen Vorstoß mit der angespannten Versorgungslage begründet. Insbesondere sollten so Kinderkliniken entlastet werden.

Die Äußerungen zeugten von Unwissen über den Alltag von Ärztinnen und Ärzten. „Natürlich arbeiten wir jetzt schon, bis wir alle unsere akut erkrankten Patienten versorgt haben – ganz egal, welche Öffnungszeiten auf unserem Praxisschild stehen. Und wir arbeiten hart, um diese Versorgung zu leisten“, betonte Lundershausen in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (21.12.2022).  

Lundershausen forderte mehr Wertschätzung für ärztliche Arbeit sowohl in den Praxen als auch in den Kliniken. Was man sicher nicht brauche, seien kluge Ratschläge von Menschen, die pünktlich Feierabend machen können – und die sich nicht mit ärztlicher Arbeit auskennen würden. Denn zu der Arbeit in den Praxen kämen unter anderem die Bereitschaftsdienste hinzu.

Der Appell an die Arztpraxen suggeriere zudem, dass Klinikärztinnen und -ärzte mehr arbeiteten als Niedergelassene. Ärztinnen und Ärzte arbeiten nicht selten über ihre Grenzen hinaus, um ihre Patientinnen und Patienten zu versorgen – unabhängig davon, ob sie in einem Krankenhaus oder in einer Praxis tätig sind, erklärte die BÄK-Vizepräsidentin.

Angesichts eines akuten Fachkräftemangels und des demografischen Wandels forderte Lundershausen mehr Medizinstudienplätze und eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Menschen. Auch müssten Anreize gesetzt werden, um auch die Zahl der Ausbildungsplätze in der Pflege zu erhöhen. „Abgesehen davon müssen wir uns alle grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie man das System in den kommenden Jahren entlasten kann.“