Peter C. Scriba †: Meister des Wissenstransfers

Nachruf
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Neben seiner Karriere als Wissenschaftler und Hochschullehrer setzte sich der langjährige Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer zeitlebens in vielen Gremien für eine hohe Versorgungsqualität ein. Sein Tod ist ein Verlust für die gesamte Ärzteschaft.

Der langjährige Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, der Internist Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter C. Scriba, verstarb Anfang April im Alter von 90 Jahren. Über Jahrzehnte hinweg prägte er die Verbindung von medizinischer Wissenschaft, ärztlicher Selbstverwaltung und Gesundheitspolitik in Deutschland.

Bekannt war Scriba nicht nur als einer der profiliertesten Wissenschaftler seiner Generation, sondern auch als beharrlicher Kämpfer für eine bessere Qualität der Patientenversorgung. In seinen zahlreichen Ämtern in wissenschaftlichen Fachgesellschaften, im Gesundheitsmanagement und in der Forschungsförderung gelang es ihm im Laufe seines langen Wirkens in besonderer Weise, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle der Menschen in die Versorgung zu transferieren. Nachhaltig verbesserte er beispielsweise die Versorgungssituation bei Jodmangelerkrankungen.

Entscheidend prägte Scriba zudem ab 2002 als Vorsitzender die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer. Unter seiner Führung leistete dieser wichtige Vorarbeiten zu zentralen medizinischen und ethischen Fragestellungen. Er habe sich als „beharrlicher und charmanter Mittler zwischen wissenschaftlicher Medizin und Berufspolitik“ stets dafür eingesetzt, den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft im Interesse der Versorgungsqualität umzusetzen und entsprechende politische Rahmenbedingungen zu schaffen, würdigte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. med. (I) Klaus Reinhardt, seine Verdienste.

Von Scriba habe er „ein bestens aufgestelltes Gremium“ übernommen, betont auch Prof. Dr. med. Michael Hallek, der Scriba Ende 2022 im Amt des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats folgte. Im Sinne seines Vorgängers sei es auch sein Anliegen, „die Bundesärztekammer als interdisziplinäre und sektorenverbindende Vertretung aller Ärztinnen und Ärzte in Deutschland mithilfe von evidenzbasierten Positionspapieren zu wichtigen, aktuellen Fragen sprachfähig zu machen und dadurch eine fachlich fundierte Politikberatung zu ermöglichen“.

Auch als Forscher war Scriba weltweit bekannt. Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 800 Publikationen. Zudem galt der Endokrinologe als ein herausragender Lehrer, der durch gute Didaktik Generationen von Studierenden für die Innere Medizin begeisterte.

Auch nach seiner Emeritierung blieb Scriba aktiv und brachte in zahlreichen Gremien seine Expertise ein. So war er von 2002 bis 2007 stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, dem er seit 1993 als Mitglied angehörte. Sein Engagement trug wesentlich dazu bei, dass sich die Versorgungsforschung als eigenständiger Bereich etablieren konnte. Zudem war er unter anderem Mitglied der Leopoldina sowie Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Für seine Verdienste wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Paracelsus-Medaille.

©DÄ / Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann