Reinhardt warnt vor Verwerfungen in der Versorgung
Mit Blick auf die Sparpläne für das Gesundheitswesen hat Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor pauschalen Sparvorgaben mit Folgen beim Behandlungsangebot gewarnt. „Einsparungen im Gesundheitswesen bleiben nicht abstrakt, sondern wirken sich unmittelbar auf die Versorgung aus“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor dem 130. Deutschen Ärztetag 2026 in Hannover. Maßstab müsse der medizinisch notwendige Versorgungsbedarf der Bevölkerung sein.
„Andernfalls drohen erhebliche Verwerfungen in der Versorgung, die langfristig sogar zu steigenden Kosten führen können“, erklärte Reinhardt. Die Pläne der Koalition, sich bei den Kassenausgaben nur an der Steigerungsrate der Einnahmen zu orientieren, greife zu kurz.
Außer Frage stehe, dass die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden müssen. „Ein Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und damit auch die gesellschaftliche Stabilität. Es geht bei den Sparbemühungen also nicht um das Ob, sondern um das Wie“, betonte der BÄK-Präsident.
Zuckerabgabe möglichst zügig einführen
Des Weiteren sprach sich Reinhardt dafür aus, die geplante Zuckerabgabe auf gesüßte Getränke möglichst zügig einzuführen und nicht erst bis 2028 zu warten. Die Zuckerabgabe sei „richtig und längst überfällig“. Die positiven gesundheitlichen Effekte würden dabei nicht sofort eintreten, sondern zeigten sich erst nach einigen Jahren.
Ziel sei nicht in erster Linie, Verbraucherinnen und Verbraucher zu belasten. „Eine klug ausgestaltete Abgabe setzt wirksame Anreize für Hersteller, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Dass das funktioniert, zeigen internationale Erfahrungen“, so Reinhardt.
In Großbritannien sei der durchschnittliche Zuckergehalt von Softdrinks nach Einführung einer Abgabe um rund 30 Prozent gesunken. Zugleich gebe es Hinweise auf rückläufige Kariesraten und weniger Übergewicht bei Kindern. Deutschland habe ein erhebliches Ernährungsproblem, das Millionen Menschen gesundheitlich belastet.