Sachsen-Anhalt: Öffentlichen Gesundheitsdienst attraktiv gestalten!

Ärztekammer plant Quereinstieg in den Öffentlichen Gesundheitsdienst

Magdeburg - Öffentliches Gesundheitswesen bedeutet Gesundheitsschutz. Nicht erst die Eindämmungsmaßnahmen in der Corona-Pandemie zeigen, wie wichtig ein starker Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD) ist und wie schnell dieser an seine Grenzen stößt. Die heutige Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat sich dem Thema angenommen. Die Nachwuchsgewinnung wurde als Hauptaufgabe für die Politik ausgemacht. Einstimmig beschloss sie sodann den Quereinstieg in den ÖGD auf den Weg zu bringen, als Maßnahme gegen den Personalmangel. „Die Ärztekammer verweist seit Jahren auf die Bedeutung des ÖGD. Nicht erst seit dem Migrationsgeschehen aus dem Jahr 2015 sollte klar sein, wie wichtig der ÖGD als dritte Säule des Gesundheitswesens ist. Wir haben dies immer wieder angemahnt“, erklärt die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz. „Nun wollen wir interessierten Ärzten mit dem geplanten Quereinstieg in den ÖGD zukünftig eine interessante Möglichkeit anbieten. Letztlich soll der Schritt zum anspruchsvollen und vielseitigen Beruf des Facharztes für öffentliches Gesundheitswesen vereinfacht werden“.

Aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie haben Bund und Länder einen Pakt für den ÖGD geschlossen. Dieser beinhaltet auch einen Personalaufbau. Bis Ende 2021 sollen mindestens 1.500 unbefristete ärztliche Vollzeitstellen geschaffen werden. Es ist absehbar, dass es schwierig sein wird, die im ÖGD geschaffenen Stellen zeitnah zu besetzen. Dafür fordern die Ärzte in Sachsen-Anhalt u.a., dass die Tätigkeit ausreichend und vergleichbar vergütet wird. „Die für das Bundesgebiet in Aussicht gestellten 4 Mrd. Euro müssen im Land ankommen. Um die Tätigkeit attraktiv zu gestalten, muss auch für eine wettbewerbsfähige Vergütung gesorgt werden, die derzeit mit den Tarifverträgen des Landes nicht abgebildet werden“, ergänzt die Kammerpräsidentin.

Dass die Problematik auch in der Landespolitik angekommen ist, zeigt der Vorschlag von Prof. Willingmann, zukünftig Studienplätze für Amtsärzte reservieren zu wollen. „Wir freuen uns und begrüßen es ausdrücklich, dass sich die Politik Gedanken um die bessere ärztliche Versorgung im Bereich des ÖGD macht. Eine weitere Quote ist gut gemeint, doch schon aufgrund des Zeitfaktors ohne schnelle Wirkung“, schätzt die Kammerpräsidentin ein. Hintergrund ist, dass ein Medizinstudium mindestens 6 Jahre dauert und die anschließende Facharztausbildung nochmals 5 Jahre in Anspruch nimmt.

Um das Interesse an dieser Tätigkeit zu wecken und Ärztinnen und Ärzte zeitnah gezielt für den ÖGD zu gewinnen, hat die Kammer beschlossen zusätzlich einen Quereinstieg in den ÖGD zu etablieren.

Die Ärztekammer greift dabei auf die guten Erfahrungen zurück, die sie bereits mit dem Quereinstieg in die Allgemeinmedizin sammeln konnte. Hier ist das Interesse ungebrochen. Die Idee ist nunmehr auch Ärztinnen und Ärzte zu erreichen, die sich umorientieren möchten und denen die Alternative ÖGD oft noch nicht bekannt ist. Für Mediziner, die beispielsweise aus gesundheitlichen oder familiären Gründen aus dem Klinikdienst ausscheiden oder die Praxis aufgeben möchten, kann der der ÖGD interessante Alternativen bieten.

Die Kammer würde mit dieser Möglichkeit dazu beitragen, die dringend erforderliche und nunmehr auch mögliche Erhöhung der Stellen im ÖGD flankierend zu begleiten.

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