Santa Marta: Akteure aus dem Gesundheitswesen fordern stärkere deutsche Unterstützung für den Ausstieg aus fossilen Energien

Klimawandel

Die Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas wird von wissenschaftlichen Expert*innen sowie Akteuren aus dem Gesundheitswesen als wachsende Gefahr für die öffentliche Gesundheit bewertet. Bundesärztekammer (BÄK) und Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) rufen die Bundesregierung deshalb auf, die erste „Conference on Transitioning Away from Fossil Fuels“ am 28. und 29. April 2026 im kolumbianischen Santa Marta aktiv zu unterstützen und den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen auch innenpolitisch konsequent voranzutreiben.

Europas Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung in wachsendem Ausmaß. Das belegt der letzte Woche in Heidelberg vorgestellte “Lancet Countdown Europe 2026”. Hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle sowie klimabedingte Infektionskrankheiten nehmen zu; ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere, Kinder und sozial benachteiligte Gruppen sind besonders gefährdet. Allein in Deutschland verursachten wetter- und klimabezogene Extremereignisse zwischen 1980 und 2023 Schäden von rund 180 Milliarden Euro — laut Europäischer Umweltagentur der höchste Wert innerhalb der EU.

Die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) hat im Februar 2026 klargestellt: Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist Bestandteil ärztlicher Berufspflichten und bezieht sich ausdrücklich auch auf politische Rahmensetzung.

„Gesundheit und Wohlergehen hängen wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab. Ihr Schutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz“, betont Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. „Es ist ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und eine konsequente Transformation einzufordern — im Gesundheitswesen ebenso wie im politischen Raum.“

Breite Unterstützung für Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty

Die Konferenz in Santa Marta ist zugleich das bislang deutlichste diplomatische Signal für einen koordinierten, gerechten und finanzierten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen außerhalb der UNFCCC-Architektur. Grundlage ist die Initiative für einen Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty, die weltweit von über 3.000 Gesundheitsinstitutionen, der Weltgesundheitsorganisation und dem Weltärztebund unterstützt wird. In Deutschland wurde sie 2023 von Deutschem Pflegerat, Bundesärztekammer und KLUG auf den Weg gebracht; mehr als 50 Akteure des Gesundheitswesens hatten die Initiative unterstützt, darunter Landesärztekammern, Fachgesellschaften und Berufsverbände.

„Wir sprechen nicht über eine abstrakte Zukunftsgefahr, sondern über gegenwärtige, messbare Schäden an der Gesundheit der Menschen in Deutschland und Europa“, so Prof. Dr. Christian Schulz, Geschäftsführer von KLUG. „Jede Verzögerung der Energiewende kostet uns Geld und Gesundheit.“


Die First Conference on Transitioning Away from Fossil Fuels (TAFF) findet vom 24. bis 29. April 2026 in Santa Marta, Kolumbien, statt. Am 28. April beginnt die entscheidende Phase der politischen Verhandlungen mit Sitzungen auf Minister*innen- und Regierungsebene, bei denen der Fokus auf konkreten Umsetzungswegen für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern liegt. Am 29. April sollen die Ergebnisse in einer gemeinsamen politischen Erklärung zusammengeführt werden, die eine koordinierte internationale Linie für den Fossilausstieg festlegt.