Weltärztebund bekräftigt Schutz der medizinischen Neutralität in bewaffneten Konflikten

Weltärztebund

Der Weltärztebund (World Medical Association, WMA) hat auf seiner Generalversammlung in Rotterdam die „WMA-Deklaration von Rotterdam zum Schutz der medizinischen Neutralität“ verabschiedet, die medizinische Neutralität als grundlegendes ethisches Prinzip der Ärzteschaft hervorhebt.

Die Deklaration unterstreicht die Pflicht von Ärztinnen und Ärzten sowie anderem Gesundheitspersonal, Patientinnen und Patienten unabhängig von ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit ausschließlich nach medizinischem Bedarf zu behandeln. Sie fordert Staaten und Konfliktparteien zugleich auf, eine sichere, unabhängige und ungehinderte Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen müssten vor Angriffen, Einschüchterung und Behinderung geschützt werden. Auch die willkürliche Inhaftierung, Folter oder Misshandlung von Gesundheitsfachkräften wird als Verletzung der medizinischen Neutralität verurteilt. Der WMA fordert in diesem Zusammenhang eine unabhängige und unparteiische Untersuchung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht und die strafrechtliche Verfolgung schwerer Verstöße.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, erklärte: „Die gezielte Gewalt gegen medizinisches Fachpersonal und Gesundheitseinrichtungen nimmt weltweit in besorgniserregendem Ausmaß zu. Solche Angriffe verstoßen nicht nur gegen medizinethische Grundsätze, sondern auch gegen das humanitäre Völkerrecht. Sie gefährden die Versorgung der Zivilbevölkerung, beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems nachhaltig und setzen Patientinnen und Patienten ebenso wie medizinisches Fachpersonal erheblichen Risiken aus.“ 

Neben der Deklaration zur medizinischen Neutralität verabschiedete die Generalversammlung weitere Stellungnahmen und Resolutionen zu aktuellen Fragen der globalen Gesundheit und der ärztlichen Ethik, unter anderem zum Umgang mit falschen Gesundheitsinformationen, zur Situation des Gesundheitswesens im Westjordanland sowie zum Impfplan für Kinder.

Der Südkoreaner Dr. Jung Yul Park hat in der Sitzung in Rotterdam seine Präsidentschaft für das Jahr 2026/2027 angetreten. Bei der Nachbesetzung des Vizevorsitzes des WMA wurde der Japaner Dr. Kinya Hamaguchi gewählt. Als neues Mitglied ist der Ärzte- und Zahnärzteverband von Sierra Leone aufgenommen worden.

Die Generalversammlung des Weltärztebundes fand vom 7. bis 10. Oktober 2026 in Rotterdam statt. Der WMA vertritt ärztliche Organisationen aus 118 Ländern und setzt sich international für hohe Standards ärztlicher Ethik, eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sowie die Wahrung der Menschenrechte und der beruflichen Unabhängigkeit der Ärzteschaft ein.