Wissen statt Mythen

Bundesärztekammer informiert über Verhütungsmethoden
Wissenschaftlicher Beirat

Falschinformationen und Mythen zum Thema Verhütung können sich über soziale Medien schneller verbreiten als früher. Dieses Problem greift die Stellungnahme „Kontrazeption – Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten“ auf, die der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats beschlossen hat. 

Die Stellungnahme analysiert die gängigen hormonellen und nicht-hormonellen Verhütungsmethoden im Hinblick auf kontrazeptive Sicherheit, Risiken, Vorteile und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. 

„Evidenzbasierte Informationen sowie eine neutrale, ergebnisoffene Beratung und Aufklärung zu Verhütungsmethoden sind heute relevanter denn je“, sagt BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. „Im Internet und in den sozialen Medien stehen fundierte Inhalte neben Fehlinformationen, Werbung, einseitigen Darstellungen und Meinungen von Influencerinnen und Influencern ohne Fachwissen. Nur wenn Frauen und Männer Zugang zu verlässlichem Wissen haben und die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen kennen, können sie die Verhütungsmethode wählen, die zu ihrer Lebenssituation passt.“

Auch das Verhütungsverhalten hat sich gewandelt. Das Kondom hat die „Pille“ als meistgenutztes Verhütungsmittel abgelöst. Nach Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) aus dem Jahr 2024 verhüten 51 Prozent der Paare zwischen 18 und 49 Jahren mit dem Kondom und 31 Prozent mit der „Pille“. 

Die Stellungnahme geht auch darauf ein, dass in Deutschland pro Jahr ca. 900.000 abgegebene Einheiten von oralen Notfallkontrazeptiva („Pille danach“) durch öffentliche Apotheken registriert werden, und dies mit steigender Tendenz. Anhand der dargestellten Zahlen muss davon ausgegangen werden, dass die Entlassung der „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht in Deutschland seit dem 15. März 2015 mit dem Ziel, den Zugang zur Notfallverhütung zu beschleunigen, nicht zu einer signifikanten Reduktion von Schwangerschaftsabbrüchen geführt hat. 

Zugleich wird Verhütung bis heute überwiegend als Aufgabe von Frauen wahrgenommen, für Männer stehen bisher nur das Kondom und die Vasektomie zur Verfügung. „Reproduktive Selbstbestimmung und Gesundheit betreffen aber beide Geschlechter. Eine stärkere Einbindung und Aufklärung von Jungen und Männern ist essenziell, um die Anwendung sicherer Verhütungsmethoden zu fördern“, unterstreicht Frau Prof. Dr. Julia Gallwas, Federführende des zuständigen Arbeitskreises und stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats. 

Die BÄK fordert deshalb passende Beratungs- und Informationsangebote, damit Männer bei der Verhütung mehr Kompetenz entwickeln und mehr Verantwortung übernehmen können. Notwendig sind aus ihrer Sicht zudem die Erforschung und Entwicklung neuer Verhütungsmittel für Männer.

„Von besonderer Bedeutung sind die ärztliche und schulische Aufklärung. Auch die Stärkung der Gesundheits- und Medienkompetenz ist notwendig“, ergänzt Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats. Die BÄK spricht sich dafür aus, evidenzbasierte, zielgruppengerechte Informationsangebote zu Fortpflanzung und Verhütung zu fördern und auszubauen. Ärztinnen und Ärzte könnten etwa über ihre Webseiten und Social-Media-Kanäle auf solche Angebote verweisen, um Desinformation entgegenzuwirken.