Ärzteschaft fordert: Krisenvorsorge in der Gesundheitsversorgung grenzüberschreitend angehen
Die internationale Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Kriege, Fluchtbewegungen, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe, aber auch klimabedingte Extremwetterereignisse, stellen die Gesundheitssysteme Europas vor neue Herausforderungen. Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordern deshalb, die europäische Krisenvorsorge im Gesundheitswesen weiter auszubauen.
Auf Einladung beider Organisationen haben heute Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der EU-Mitgliedstaaten und der Ärzteschaft in Brüssel unter dem Motto „Talking Resilience: Preparing Healthcare for New Threats“ über die Krisenfestigkeit der europäischen Gesundheitsversorgung diskutiert. Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Morning Rounds“-Diskussionsreihe von BÄK und KBV statt.
„Die Frage ist heute nicht mehr, ob Europa eine gemeinsame Krisenvorsorge braucht, sondern wie wir sie im Gesundheitswesen wirksam umsetzen,“ erklärte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. „Ärztinnen und Ärzte wissen aus ihrer täglichen Arbeit, wo das System unter Druck verwundbar wird. Deshalb müssen sie von Anfang an in die europäische Krisenvorsorge eingebunden werden – nicht nur als Beteiligte, sondern als Partner.“
„Wir brauchen europaweite Strukturen, die die Versorgung mit Medikamenten und zur medizinischen Versorgung erforderlichen Materialien sicherstellen sowie eine resiliente grenzüberschreitende Energieversorgung und Kommunikationsstruktur gewährleisten. Dazu muss die Lastenverteilung der zusätzlich zu Versorgenden unter anderem durch ein gemeinsames Lagebild an die jeweilige regionale Leistungsfähigkeit angepasst werden“, erläuterte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.
Europäische Kommission und Europäischer Auswärtiger Dienst hatten im März 2025 eine „Europäische Strategie für eine Union der Krisenvorsorge“ (EU Preparedness Union Strategy) vorgestellt, gefolgt von weiteren Aktionsplänen. BÄK und KBV begrüßen den gefahrenübergreifenden Ansatz, der dieser Strategie zugrunde liegt, sowie den Ansatz einer behördenübergreifenden Zusammenarbeit und gesamtgesellschaftlichen Kultur der Krisenvorsorge.
Entscheidend sei nun, die Maßnahmen gemeinsam mit den Mitgliedstaaten umzusetzen und die Erkenntnisse aus Übungen systematisch für die weitere Planung zu nutzen. Nur so könne die medizinische Versorgung der Bevölkerung auch in Krisen- und Ausnahmesituationen verlässlich sichergestellt werden.