Austausch von BÄK und bvmd – Null Toleranz für Machtmissbrauch und Grenzverletzungen

Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland
Austausch

Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) haben sich am Mittwoch in einem gemeinsamen Gespräch über Berichte von Grenzverletzungen und sexualisierten Übergriffen beim 130. Deutschen Ärztetag Mitte Mai in Hannover ausgetauscht.

An dem Gespräch nahmen auch die Medizinstudentinnen teil, die über die Grenzverletzungen und Übergriffe berichtet haben. Im Mittelpunkt standen der verbesserte Schutz von Teilnehmenden künftiger Veranstaltungen sowie die dringende Notwendigkeit der Prävention und Sanktionierung von Machtmissbrauch und Übergriffigkeit im Gesundheitswesen insgesamt. Die Beteiligten waren sich einig, dass es baldmöglichst klare Regeln, verlässliche Strukturen und wirksame Präventionsmaßnahmen braucht, um Grenzüberschreitungen wirksam zu begegnen.

Die Bundesärztekammer hatte nach dem Ärztetag unverzüglich Maßnahmen angestoßen, um eigene Veranstaltungen künftig noch sicherer zu gestalten. Unter anderem werden bestehende Regelwerke systematisch überprüft und gezielt weiterentwickelt. Dazu gehören verbindliche Verhaltenskodizes für Teilnehmende von Veranstaltungen, die Verankerung entsprechender Vorgaben in Satzungen und Geschäftsordnungen, Awareness-Konzepte für den Deutschen Ärztetag und andere Veranstaltungen sowie unabhängige Vertrauenspersonen als niedrigschwellige Anlaufstellen für Betroffene. Die Studierenden begrüßten diese Entwicklungen ausdrücklich und sagten zu, diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten zu wollen.

Darüber hinaus wurde über strukturelle Fragen von Machtmissbrauch im Gesundheitswesen gesprochen. Die Teilnehmenden schilderten, dass sich Machtmissbrauch in unterschiedlichen Formen äußert, etwa durch einen respektlosen Umgangston, Mobbing, öffentliche Bloßstellung oder die unbegründete Infragestellung fachlicher Kompetenz. Auch sexualisierte Belästigung sowie Übergriffe im Behandlungsverhältnis wurden als gravierende Problembereiche benannt, die klare Regelungen und eine konsequente Aufarbeitung erfordern. Meldestellen und Verhaltenskodizes müssten allgemein bekannt sein und nach einheitlichen und transparenten Vorgehensweisen operieren. Es müsse außerdem ein Kulturwandel stattfinden, der es zur Norm mache, Machtmissbrauch zu benennen, individuelles Verhalten zu reflektieren und sich gegenseitig zu verantwortungsvollem Verhalten anzuhalten. In diesem Kontext wurde von beiden Seiten über mögliche Schulungen in Führungspositionen gesprochen.

Beide Seiten unterstrichen, dass der Schutz vor Machtmissbrauch und Übergriffen eine dauerhafte Aufgabe bleibt. Der Wunsch vieler Akteure, sich dieses Themas nun zügig und lösungsorientiert anzunehmen, wurde ausdrücklich begrüßt. BÄK und bvmd vereinbarten, zu diesen Themen in engem Austausch zu bleiben und gemeinsam den Dialog zu suchen.