Bundesärztekammer begrüßt Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung

Organspende

Statement des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, zum Gesetzentwurf für eine Widerspruchslösung bei der Organspende:

„Tausende Patientinnen und Patienten warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, viele von ihnen vergeblich. Dieser Realität müssen wir uns stellen. Die Bundesärztekammer begrüßt deshalb den fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Einführung einer Widerspruchslösung, der jetzt in den Bundestag eingebracht worden ist.

Die deutsche Ärzteschaft hat sich wiederholt für die Einführung einer Widerspruchslösung ausgesprochen. Diese Haltung gründet auf einer immer wiederkehrenden Erfahrung: Viele Menschen stehen der Organspende aufgeschlossen gegenüber, halten dies aber nicht schriftlich fest. Kommt eine Organspende in Betracht, fehlt dann eine Willensäußerung, und mögliche Spenden unterbleiben, obwohl die Verstorbenen ihnen womöglich zugestimmt hätten. Angehörige müssen in einer ohnehin belastenden Situation stellvertretend entscheiden, ohne den Willen der verstorbenen Person sicher zu kennen. Diese Verantwortung überfordert viele Familien. 

Die Widerspruchslösung setzt genau hier an. Sie fordert jede Bürgerin und jeden Bürger auf, sich mit der Frage der Organspende auseinanderzusetzen und eine Entscheidung zu treffen. Zugleich stellt sie unmissverständlich klar: Niemand wird zur Organspende verpflichtet. Wer nicht spenden möchte, kann dies jederzeit und ohne Angabe von Gründen erklären. Die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen bleibt damit vollständig gewahrt. 

Klar ist auch: Für sich allein wird die Widerspruchslösung den Mangel an Spenderorganen nicht beheben. Sie muss von einer breiten und kontinuierlichen Aufklärung der Bevölkerung, von einfachen und barrierefreien Widerspruchsmöglichkeiten sowie von strukturellen Verbesserungen in den Entnahmekrankenhäusern begleitet werden. Nur im Zusammenspiel dieser Maßnahmen wird es gelingen, die Zahl der Organspenden dauerhaft zu erhöhen und schwer kranken Patientinnen und Patienten eine Chance auf ein neues Leben zu geben.“